E-Book: So wird Recruiting zum Wettbewerbsvorteil
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Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Wie Unternehmen mit interner Personalbeschaffung Antwort auf den Fachkräftemangel finden können.
Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften hat sich im vergangenen Jahr enorm verschärft und ein neues Rekordniveau erreicht. Aktuell gibt es mehr als 550.000 offene Stellen im Land. Die Lage unterscheidet sich je nach Branche, Region, Berufsbild und Qualifikation. Was alle gemein haben: Der Fachkräfteengpass ist noch größer als von deutschen Unternehmen erwartet. Durch den demografischen Wandel und die geringe Anwerbung ausländischer Fachkräfte ist mit einer Trendwende nicht zu rechnen.
Instrumente, die Unternehmen am häufigsten nutzen, um Fachkräfteengpässe zu vermeiden, sind die eigene Berufsausbildung im Betrieb, Weiterbildungsangebote und regelmäßige Gehaltsanpassungen (laut aktueller Analyse der Bertelsmann Stiftung). Wer auf dem Arbeitsmarkt kein geeignetes Personal findet, öffnet also den Blick nach innen. So macht es auch Volkswagen. Der Autokonzern verkündete jüngst, bei der Stellenbesetzung bestimmter Sparten internen Bewerbenden noch länger Vorrang gegenüber Kandidaten von außen zu geben. Mehr als 1,5 Millionen Qualifizierungsstunden investiert das Unternehmen pro Jahr, um Kompetenzen in den eigenen Reihen auszubauen.
Die Möglichkeiten, Stellen intern zu besetzen, umfassen die interne Stellenausschreibung, den Vorschlag durch die Führungskraft, die gezielte Beförderung über ein Talentmanagementsystem oder die Übernahme eines Auszubildenden nach Abschluss der Ausbildung. Sich beim Recruiting auf bestehende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fokussieren, hat mehrere Vorteile:
Bei der internen Stellenbesetzung können sich Unternehmen an folgender Checkliste orientieren: Zunächst müssen Personal- und Fachabteilung gemeinsam ermitteln, was sich in Zukunft verändern wird und welche Anforderungen und welcher Qualifikationsbedarf daraus entstehen. Das Anforderungsprofil ist die Basis für die Stellenbeschreibung.
Im nächsten Schritt stellt sich die Frage, ob es sinnvoll/notwendig ist, Kompetenzen außerhalb zu finden oder internes Personal auszubilden und zu befördern. Letzteres erfordert, den Ist-Zustand im Unternehmen zu kennen: Ein Blick in die Stammdaten der Mitarbeitenden verrät, welche Fähigkeiten im Unternehmen vorhanden sind und wo es Wissenslücken gibt („Skill Matching“). Tools zur Kompetenzerkennung und Potenzialanalyse sowie Qualifikations- und Talentmanagementsysteme können hierbei helfen.
Es hilft, Strategien und Prozesse für die interne Stellenbesetzung zu entwickeln; auf individueller Ebene in Form einer Karriereplanung, auf unternehmerischer Ebene in Form einer Personalentwicklungsstrategie. Wichtig ist, Mitarbeitende über interne offene Stellen zu informieren sowie Führungskräfte zu motivieren, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu identifizieren und zu empfehlen. Es folgt ein klassisches Auswahlverfahren, in dem beispielsweise auch über eine Eignungsdiagnostik geprüft werden kann, ob der Kandidat oder die Kandidatin wirklich passt.
Job-Kennenlern-Programme helfen, praktische Einblicke in die neue Stelle und den neuen Fachbereich zu gewinnen. Entscheidet sich der Kandidat oder die Kandidatin für den Wechsel, sollte er/sie in Form eines (abgespeckten) Onboardings bzw. Crossboardings gezielt vorbereitet werden: zum Beispiel durch Schulungen, Coachings und Mentorings.
Auch Job Rotations und Auslandsentsendungen können geeignete Maßnahmen sein. Besonderes Augenmerk gilt für den Fall, dass Mitarbeitende ohne bisherige Personalverantwortung zur Führungskraft werden. Denn dann sollte die Vorbereitung und Einarbeitung nicht nur fachliche Aspekte, sondern auch Führungsthemen abdecken.
Für den Fall, dass der interne Stellenwechsel dennoch die falsche Entscheidung war, sollte es die Möglichkeit geben, interne Beschäftigungsalternativen zu schaffen.
Ob die interne Personalbeschaffung gelingt, ist auch eine Frage der Unternehmens- und Führungskultur. Denn ein offenes, vertrautes Miteinander, welches auf das Wohl der gesamten Organisation ausgerichtet ist, kann einige Stolpersteine im Verlauf verhindern.
Wenn richtig eingesetzt, kann die interne Personalbeschaffung ein sehr wirksames Instrument in Zeiten des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels sein. Klar ist aber auch, dass eine interne Besetzung nicht für jede Stelle in Frage kommt. Unternehmen sollten daher insgesamt auf einen ausgewogenen Mix zwischen internem und externem Recruiting achten und eine nachhaltige und langfristige Personalplanung vornehmen. Auch eine gute HR-Software, die optimalerweise Recruiting- und Onboardingprozesse genauso abbilden und unterstützen kann wie Talentmanagement, Nachfolgeplanung und Weiterbildung, kann hier sehr wertvoll und hilfreich sein.