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Ist das ein wichtiger Trend oder kann das weg?

Trend Advisor - wie man relevante Trends identifiziert

Im Interview mit Trend-Experte Christian Mayrhofer, wieso Unternehmen Trends nicht ignorieren sollten und wie Sie erkennen, welche für Sie wichtig sind.

Dass nichts so beständig ist wie der Wandel zeigt uns die gegenwärtige Zeit deutlicher als je zuvor. Kaum ein Monat vergeht, an dem wir uns nicht an neue Regeln oder Gegebenheiten anpassen müssen.

Zwar ist die Pandemie ein besonderes Szenario, auf das eigentlich niemand vorbereitet war. Doch die Auswirkungen davon in der Arbeitswelt, wie flexibilisiertes arbeiten, Verschmelzung von Job und Privatleben oder Home-Office sind alles Themen, über die schon länger diskutiert wird und sich auch vor der Krise zum Trend entwickelt hatten. Wohl dem also, der hier am Puls der Zeit geblieben ist und auch ohne den Zwang durch die Pandemie schon in entsprechende Voraussetzungen investiert hat.

Aber woher wissen Unternehmen, in welche Richtung sich Trends entwickeln werden? Welche für das eigene Unternehmen wirklich von Relevanz sind? Und warum es durchaus schaden kann, wenn Trends mehr oder weniger ignoriert werden? 

Das sind die entscheidenden Fragen, denen es sich zu stellen gilt. Denn es ist eben gar nicht so trivial zu erkennen, welche Trends welches Potenzial fürs eigene Unternehmen haben, und dabei nicht nur auf Chancen, sondern auch Risiken zu achten.

Eine Glaskugel hat natürlich niemand. Ok, eine Glaskugel vielleicht schon, aber keine, die die Zukunft anzeigt. Sie dürfen also keine einfachen Antworten erwarten.

Dennoch hilft es, externe Meinungen einzuholen. Von Menschen mit Blick aufs "große Ganze". Von jemandem, der auch unterschiedliche Branchen kennt und die Entwicklungen und Diskussionen hinter den Kulissen live miterlebt.

Genau so jemanden haben wir uns als Interview-Gast in die HR HEUTE Redaktion eingeladen: Christian Mayrhofer - tätig bei der EMPLEOX GmbH als Senior Berater und "Trend Advisor". Was es genau damit auf sich hat und wie es zu diesem neuen Serviceangebot gekommen ist, verrät er uns im Interview.

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Im Interview mit Christian Mayrhofer

Hallo Christian, schön dass du da bist! Lass uns direkt starten!

Was genau macht ein Trend Advisor bei der Empleox GmbH?

"Trend Advisor" ist der Name, den wir einem neuen Service-Angebot von uns gegeben haben, dass sich vor allem an unsere Bestandskunden richtet. Es geht darum, mit dem Kunden gemeinsam mal einen Schritt weg vom Tagesgeschäft zu machen. Also aktuelle Probleme - etwa mit Prozessen, Systemen oder Produkten - für einen Moment auszublenden, und gemeinsam einen langfristigeren Blick auf größere Zusammenhänge zu werfen. Zu überlegen, wie sich die HR-Welt verändern wird, was für neue Ideen am Horizont auftauchen oder schon Erfolge zeigen. Vor allem aber, was das für das eigene Unternehmen heißt. Das Ziel ist, letztlich konkrete Maßnahmen abzuleiten, wie das Unternehmen auf bestimmte Trends reagieren kann. Oder zumindest die Voraussetzungen schafft, nicht negativ überrascht und dann gar abgehängt zu werden.

Das Ziel ist, letztlich konkrete Maßnahmen abzuleiten, wie das Unternehmen auf bestimmte Trends reagieren kann.

Christian Mayrhofer – Senior Berater

Wie seid Ihr auf die Idee mit dem Trend Advisor gekommen?

Aus der Praxis heraus! Wir haben beobachtet, dass viele Unternehmen in den initialen Projekten sehr engagiert sind, mit hohem Anspruch etwa an die Einführung neuer HR-Prozesse gehen. Viele kommen gerade zu uns, weil sie vorne dabei sein wollen, HR zu einem Wettbewerbsvorteil machen wollen, durch innovative Ansätze, kreative Ideen und zeitgemäße Lösungen.

Doch nachdem das Projekt abgeschlossen ist, fehlt im Daily-Business dann doch meistens genau die Zeit, sich regemäßig mit den HR-Partnern hinzusetzen und über aktuelle oder zukünftige Entwicklungen und Bedürfnisse auszutauschen. So verliert ein Unternehmen aber schneller wieder den Anschluss, als es einem lieb ist.

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Warum sind HR-Trends denn überhaupt wichtig? Oftmals sind direkte Konkurrenten doch auch nicht weiter?

Das Problem im HR ist ja, dass man, anders als etwa in seiner eigentlichen Branche, nicht immer mit den gleichen konkurriert. Mitarbeiter sind viel mobiler und haben mehr Möglichkeiten als Konsumenten. Gefällt letzteren etwa das Innenleben von Mercedes nicht, kann man vielleicht Richtung Audi, BMW und Tesla schauen, das war es dann aber bald schon mit ansonsten vergleichbaren Anbietern.

Mitarbeiter hingegen können meistens problemlos die Branche wechseln. Gerade die begehrtesten Experten, insbesondere Führungskräfte, aber auch Fachkräfte für Vertrieb, Fertigung, Finanzen, Entwicklung, Marketing und mehr, werden eher für grundsätzliche Fähigkeiten denn konkretes Wissen eingestellt. Heißt konkret, in Bezug auf Mitarbeiter haben Unternehmen viel mehr Konkurrenten als bei ihren Produkten.

Es reicht daher, dass "irgendwo" neue HR-Standards gesetzt werden, um für das eigene Unternehmen zu einem Problem werden zu können. Das betrifft dann vielleicht nicht gleich alle Mitarbeiter, aber häufig gerade besonders Wichtige. Bestes Beispiel ist hier die Digitalisierung. Während für Mechatroniker oder ähnliche Berufe die Autokonzerne nach wie vor großen Reiz ausüben mögen, sind sie für Softwareentwickler weit weniger attraktiv, weil in der IT-Branche ganz andere Standards üblich sind, wie sie Google, Facebook, SAP und die anderen großen der Branche gesetzt haben. Wer die besten Entwickler haben will, muss sich auch an den besten Arbeitgebern dieses Bereichs orientieren, das kann man nicht allein mit Geld ausgleichen.

Mit diesem vielleicht etwas vereinfachtem Beispiel wird hoffentlich deutlich, dass die Verfolgung von HR-Trends, egal ob bei Büroausstattung, Benefits, Führungskultur oder Flexibilität, aber genauso natürlich auch in Bezug auf HR-interne Abläufe, in Unternehmen und der Beratung mehr Platz brauchen. Denn sie bedeuten, dass es zunehmend Unternehmen gibt, die einfach schon einen Schritt weiter sind und dies im Wettbewerb um die besten Talente nutzen können. Und genau diese Lücke wollen wir mit dem Trend-Advisor Angebot füllen. Also Unternehmen dabei helfen, sich dieser Herausforderung strukturiert zu stellen.

Woher bezieht Ihr Eure Expertise?

Wir sind ja permanent bei unterschiedlichsten Kunden in Prozessprojekten aktiv, bei denen es darum geht, mit Hilfe von SAP SuccessFactors modernere, zukunftsfähigere Abläufe zu etablieren. Dabei werden wir natürlich mit vielen Fragen und Wünschen konfrontiert, was Kunden gerne hätten. Natürlich ist da auch manches sehr unternehmensspezfische bei, aber doch auch immer wieder wirklich gute Ideen und nachvollziehbare Anforderungen. Manchmal sind es Ideen, die Wettbewerber während der Ausschreibung präsentiert haben, manchmal Besonderheiten, von den Kunden ihrerseits gelesen haben und spannend fanden, oder häufig auch Bedarfe, die einfach aus gesellschaftlichen Trends abgeleitet werden.

So war es beispielsweise beim Thema mobile HR-Prozesse. Vor ein paar Jahren haben Unternehmen noch gesagt "wer will sich denn spontan unterwegs mit Bewerbungen oder eLearnings beschäftigen", während sich die Lebenswirklichkeit besonders der jüngeren Menschen längst weg von Laptops oder Desktop-PCs verschoben hatte hin zum Handy als einziges Gerät.

Unser Ziel als Trend Advisor ist es dann, konkrete Handlungsempfehlungen abzugeben, wie Kunden sich dem Thema nähern können. Dabei geht es häufig um neue Funktionalitäten von SAP SuccessFactors, die ja mehrmals im Jahr dazu kommen und für den Kunden einen Unterschied machen können. Es kann aber genauso gut um neue Lösungen gehen, etwa SAP Qualtrics, SAP Litmos Training oder SAP Workzone, oder schlichtweg um Anregungen, bestehende Prozessen zu optimieren.

Wie läuft der ganze Prozess für den Kunden ab?

Zunächst machen wir zwei Dinge. Zum einen eine "Outside-In" Analyse. Sprich wir betrachten den Kunden, sein System und seine uns bekannten Prozesse, und fragen uns, wenn wir diese heute völlig frei neu gestalten sollten, was würden wir anders machen, und warum? Dabei berücksichtigen wir eben neue Entwicklungen des Marktes, der Software und Gewohnheiten und überlegen uns, wie der Kunde davon vielleicht profitieren könnte oder welche Risiken sich daraus ergeben. Das ist quasi unsere Vorbereitung.

Zum anderen fragen wir natürlich auch den Kunden, was dieser selbst an Themen hat. Und zwar eben nicht akute, die im Rahmen der regulären Support-Betreuung behandelt werden, sondern eher mittel- bis langfristige. Über all diese Punkte reden wir dann mit dem Kunden, versuchen ihn zum Nachdenken anzuregen. Immer mit dem Ziel, konkrete Maßnahmen zu entwickeln, die dann auch tatsächlich umgesetzt werden können und den Kunden einen Schritt weiter bringen.

Man kann die Rolle des Trend Advisors daher durchaus auch als Diskussionsplattform sehen, die dem Kunden die Möglichkeit bietet, mit Experten, die sowohl seine Situation als auch die des Marktes bestens kennen, über verschiedene zukünftige und relevante HR-Themen zu sprechen.

Viele Kunden kennen uns ja vor allem als Konfigurationsexperten für SAP SuccessFactors. Aber durch die alltägliche Beschäftigung mit Prozessen und neuen Anforderungen unterschiedlichster Kunden und Branchen, haben unsere Berater eine weit darüber hinausgehende Expertise aufgebaut. Und genau diese machen wir mit dem Trend Advisor Angebot für Kunden zugänglich und zu einem echten Mehrwertangebot.

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Wenn ich als Kunde einen Trend-Advisor buchen möchte, gibt es Voraussetzungen?

Grundsätzlich freuen wir uns erstmal natürlich über jedes Interesse. Damit das Konzept sein volles Potential entfalten kann, benötigen wir natürlich möglichst gutes Verständnis für den Kunden. Daher richtet es sich zunächst mal an unsere Bestandskunden, die schon eine Weile mit uns zusammenarbeiten. Perspektivisch erweitern wir das Angebot vielleicht noch, aber derzeit bieten wir keine isolierte "Trend-Beratung" für alle an. Dabei würden unsere speziellen Stärken einfach nicht richtig zum Tragen kommen.

Dann befindet sich das Angebot noch in einer Pilot-Phase, es kann also zu Kapazitätsengpässen kommen. Denn wir bei EMPLEOX hatten schon immer einen sehr hohen Qualitätsanspruch. Wenn wir etwas machen, dann wollen wir es hervorragend machen. Das gilt auch für die Rolle des Trend Advisors, und dafür braucht es eben neben Expertise auch praktische Erfahrung von vielen verschiedenen Kunden, es kann also nicht jeder übernehmen.

Zu guter Letzt sollten Kunden wirklich bereit sein, über mittel- bis langfristige Chancen und Risiken zu reden und diese auch anzugehen. Der Trend Advisor ist nicht dafür da, aktuelle Konfigurationsprobleme zu diskutieren oder das neueste Release-Update zu betrachten. Es geht um grundsätzlicheres.

Gleichzeitig wäre es Verschwendung, wenn man sich vom Trend Advisor einfach ein bisschen "berieseln" lassen möchte, wie es manche Teilnehmer mit Webinaren machen. Es geht schon um eine ernsthafte, detaillierte Auseinandersetzung mit der eigenen Projekt-Roadmap für die nächsten Jahre. Dafür muss sich auch der Kunde intern Gedanken machen, wo sich seine eigene Organisation hin entwickelt, was für "interne Trends" es vielleicht gibt, denn das ist mindestens genauso wichtig wie Markttrends.

Das mag jetzt alles nach hohen Anforderungen klingen oder gar abschreckend. Aber so ist es nicht gemeint. Wir sind nur eben davon überzeugt, wenn man es macht, sollte man es richtig machen. Dafür stehen wir und daran glauben wir, und deshalb zählt auch bei der Rolle des Trend Advisors: Qualität vor Quantität.

Das war ein schönes Schlusswort. Danke Christian für das Interview!

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