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Unternehmenskultur gestalten. Werte definieren. So kann es gelingen: Ein spannender Praxisbericht der All for One Group.
„Unternehmenskultur kann man nur über Bande beeinflussen“, sagte neulich eine kluge Trainerin zu mir. Ich finde diese Beschreibung sehr anschaulich, wenn man sich einmal überlegt, wie oft Unternehmenskultur implizit prägt, aber nirgends konkret niedergeschrieben ist.
Was also machen, wenn die Unternehmenskultur verändert werden soll? Oder wenn nach Firmenzukäufen die Unternehmenskultur einheitlicher werden soll? Geht das überhaupt? Das haben wir uns als All for One Group ebenfalls gefragt. Und in unseren Fokus unsere Unternehmenswerte gerückt. Wie wir das gelöst haben? Auf diese Reise möchte ich Sie im Folgenden mitnehmen. Vielleicht finden Sie das ein oder andere, was Sie für die Gestaltung Ihrer eigenen Unternehmenskultur mitnehmen möchten.

unterstützt in ihrer Tätigkeit als New Work Officer bei All for One HR (Tochterunternehmen der All for One Group SE) die Mitarbeitenden, indem sie ihnen sowohl beratend als auch moderierend zur Seite steht, um die passenden Wege in eine agile und eigenverantwortliche Organisation zu finden.
Unternehmenswerte sind nur dann von Wert für die Unternehmenskultur, wenn sie von der breiten Masse aller Mitarbeitenden inklusive der Führung mitgetragen werden. Daher wurde in unserem Fall aus allen Tochterunternehmen, Bereichen, Ländern, Funktionen und Leveln ein Team von ca. 25 Mitarbeitenden vorgeschlagen und ausgewählt – unter der Leitung von HR.
Als erste große Hürde erwies sich der Lockdown im April 2020 – es gab Zweifel, ob so ein Projekt ausschließlich digital durchführbar sein würde. Ich kann berichten, dass es besser klappte als jemals gedacht, auch wenn natürlich die persönlichen Kontakte zu kurz kamen.
Wichtig war es für alle Projektmitglieder zu verstehen, warum wir (neue) Unternehmenswerte angehen. Für Teile des Unternehmens gab es bereits Werte, die jedoch nicht mehr im Fokus der Mitarbeitenden waren und nicht gelebt wurden. Andere, neue Unternehmensteile hatten bisher keine explizit niedergeschriebenen Werte und fragten sich, ob die „Festlegung“ durch ein Projekt wirklich erfolgreiche Unternehmenswerte hervorbringen und unsere gemeinsame Unternehmenskultur damit tatsächlich positiv beeinflussen kann.
Im Kick-off drehte sich alles um das einheitliche Verständnis. Warum benötigen wir einheitliche Unternehmenswerte und dazu passende Führungsleitlinien?
Ein eigenständiger Teil des Projekts war, auch passende Führungsleitlinien aus den Werten abzuleiten und mit bekannt zu machen. Denn um Unternehmenswerte sicht- und einforderbar zu machen, war für uns das Verhalten der Führungskräfte entscheidend.

Roadmap der All for One SE zur Erarbeitung der gruppenweiten Unternehmenswerte
Quelle: All for One Group SEEXKURS: Von Anfang an gab es einen „Kern“, den alle im Projekt gemeinsam angehen wollten: EHRLICHKEIT. Niemand wollte, dass die erarbeiteten Unternehmenswerte zu bloßen Lippenbekenntnissen degradiert oder als schicke Marketingmaßnahme enden würden. Durch diesen gemeinsamen Gedanken wurde im Team offen und kritisch diskutiert und auch darum gerungen, welche die richtigen Werte sein könnten. Diese Offenheit hat sich durch die Akzeptanz der Unternehmenswerte durch unsere Mitarbeitenden für uns ausgezahlt.
„Herausarbeiten“ war das Stichwort: In Kleingruppen wurde für den nächsten Workshop die Vorarbeit geleistet. Es gab 3 Situationen zu beschreiben, zu denen auch weitere KollegInnen befragt wurden, deren Antworten einflossen:
Grundsätzlich stand die Frage im Raum, ob es sich um bereits existierende Werte handeln sollte oder Unternehmenswerte, die wert- und sinnvoll für die Zukunft werden würden? Beides, hat das Projektteam entschieden. Denn auch Werte entwickeln sich mit dem Zeitgeist mit und gleichzeitig sollte die Werte-Basis, die bereits implizit im Unternehmen verbreitet war, erhalten bleiben und sichtbar gemacht werden.
Niemand hätte es gedacht, aber aus der Arbeit der Kleingruppen ergab sich eine Sammlung von ca. 200 Wert-Wörtern. Diese schiere Masse erschien am Anfang kaum zu konsolidieren. Mit sehr viel digitaler Disziplin und erneuter Kleingruppenarbeit, Diskussion, Verdichtung, Diskussion und der wichtigen Methode der Einwandsabfrage zum Konsententscheid fanden sich am Ende zwei Handvoll Unternehmenswerte.
Was nun? Von Anfang an war die Beteiligung weiterer KollegInnen immens wichtig für das Projektteam. Daher fanden Sounding Boards statt, welche einer möglichst diversen Gruppe von KollegInnen die bisherigen Ergebnisse präsentierten und durch 3 Fragen mit ihnen ins Gespräch über die Werte kamen:
TIPP: Für ein erfolgreiches, digitales Sounding Tools wie Mentimeter nutzen, um alle mit einzubeziehen. Am Anfang über eine persönliche Werte-Frage den Bezug zum Thema herstellen, damit sich alle „geistig“ reinfinden können. Die Ergebnisse am Ende visuell festhalten und teilen:

Durch das wertvolle Feedback wurden die Werte weiter verdichtet, bis sich am Ende sieben Werte herauskristallisierten:
Das Projekt war von Anfang an über HR an oberster Ebene aufgehängt. Trotz alledem war es immens wichtig, dass das gesamte Unternehmen einschließlich der Führung zu allen Werten steht. Daher wurde das Management Board ebenfalls zu den bereits verdichteten sieben Unternehmenswerten gesoundet. Durch das Vertrauen der Führung fanden alle sieben Werte die Zustimmung des obersten Boards und konnten unter Berücksichtigung ihres Feedbacks weiter ausformuliert werden.

Als weitere Herausforderung sollten Handlungsmaximen für Führungskräfte entstehen. Denn ohne konkrete Anwendung und Verankerung im Unternehmensalltag würden die Werte versickern, so die Sorge. Durch offenes Brainstorming wurden in zwei getrennten Gruppen die Führungsleitlinien herausgeschält – jeweils in Bezug auf einen Unternehmenswert:
Die Führungsleitlinien aus beiden Gruppen wurden am Ende zusammengeführt und erläutert, dann detaillierter beschrieben und wiederum mit dem Konsententscheid final ausgewählt.
Mit einem digitalen „Event“ konnten in einer einstündigen Live-Session alle Mitarbeitenden die Ergebnisse der Projektgruppe gleichzeitig erleben und sich ab diesem Zeitpunkt in die Diskussion und Umsetzung einbringen.
Unternehmenskultur entsteht nicht über Nacht und lässt sich nur implizit verändern – wir haben dafür explizite Unternehmenswerte gewählt. Der Weg zur Akzeptanz dieser Unternehmenswerte und ihre Bedeutung im alltäglichen Unternehmensleben hängt am Ende von jeder und jedem Einzelnen ab. Aber durch die Sichtbarkeit von Werten und Führungsleitlinien ist ein Anfang geschaffen, um von hier ausgehend in eine rege Diskussion einzusteigen. Denn Unternehmenskultur ist trotz einheitlicher Unternehmenswerte geprägt von diversen Meinungen. Und das ist gut so.