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Interview mit Seitenwechsel-Programmleiterin Elke Sank

Der Seitenwechsel - das wahre Leben ist die beste Schulung

SeitenWechsel ist ein bundesweites Programm, das Führungskräften die Möglichkeit gibt, sich eine Woche lang in einer sozialen Einrichtung zu engagieren. Die Erfahrungen in einer anderen Lebenswelt dienen der persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung. Elke Sank, Programmleiterin von Seitenwechsel, erklärt, worum es im Programm geht, wie es abläuft und berichtet von den Erfahrungen der Teilnehmer.

Die beste Schule ist das Leben. Eine Weisheit so alt wie wahr. Das Problem: die meisten Führungskräfte haben den Großteil ihres Lebens eher auf der Sonnenseite verbracht, zumindest relativ gesehen. Das mag der einzelne anders sehen, und sicher ist die Bewertung, wie schwer man es im Leben hatte, sehr subjektiv.

Aber wenn statistisch nur eine kleine Minderheit aus Arbeiterfamilien kommt, der Nicht-Deutsche Anteil unterrepräsentiert ist und Führungskräfte doppelt so häufig Eltern haben, die ebenfalls Führungskräfte waren, als das bei normalen Mitarbeitern der Fall ist, kann man wohl behaupten, dass die allermeisten es durchaus hätten schwerer haben können.

Diese fehlenden Erfahrungen kann man aber nicht in einem Coaching, Survival-Wochenende oder gar theoretischem E-Learning nachholen. Und genau hier kommt das "Seitenwechsel"-Programm ins Spiel. Führungskräfte machen den Rollentausch ans andere Ende der Lebenswirklichkeit. Arbeiten im Obdachlosenheim, im Strafvollzug, mit Behinderten Menschen oder im Hospiz. Und das nicht als Führungskraft und nicht in ihrem Fachgebiet, sondern als Mensch.

Erlebnisse, die die Teilnehmer des Programms nachhaltig beeindruckt und verändert. Ihnen neue Perspektiven ermöglicht, dass es wichtigeres im Leben gibt als die Projekte, die vielen von uns einen stressigen Alltag bescheren.

Über unseren Interview-Gast

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Elke Sank

Elke Sank ist ausgebildete Bankfachwirtin, hat als Analystin gearbeitet und sich als Trainer und Coach im Banken- und Industriebereich weiterentwickelt. Ihren "persönlichen Richtungswechsel" vollzog sie für zwei Jahre als pädagogische Mitarbeiterin im Bereich benachteiligter Jugendlicher und leitete mehrere Projekte. So profitiert sie nun gleichermaßen von ihren Erfahrungen im kaufmännischen und sozialen Bereich. Elke Sank leitet das Programm SeitenWechsel und vermittelt seit 2008 Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung für eine Woche in soziale Einrichtungen.

Dominik Josten: Hallo und herzlich willkommen im HR HEUTE Podcast. Heute geht es um Persönlichkeitsentwicklung. Eine Aufgabe, die im beruflichen Alltag noch relativ selten aktiv betrieben wird. Das liegt vielleicht auch daran, dass Persönlichkeit nicht mal eben durch ein Training verändert wird, sondern sich eher durch Erfahrungen im echten Leben formt. Jeder, der sich schon einmal in einer Ausnahmesituation wiedergefunden hat oder schwere Zeiten oder große Herausforderungen meistern musste, weiß sicher, wie sehr man daran wächst und diese einen nachhaltig verändern.

Gerade diese Lebenserfahrung ist es, die uns hilft zu reflektieren, einzuordnen, bei Erfolg am Boden zu bleiben und sich ganz nüchtern mal klarzumachen, was wichtig und was wirklich wichtig ist. Eine Deadline im Projekt zu reißen, mag ärgerlich sein, auch mal finanzielle Konsequenzen haben, aber das ist alles nichts im Vergleich zu echten Problemen, denen viele Menschen ausgesetzt sind.

Hierzulande haben die wenigsten Führungskräfte echte Lebensherausforderungen selber erlebt. Die Hälfte von ihnen kommt aus einkommensstarken Familien, nur 10 Prozent sind Scheidungskinder und nur eine ziemlich kleine Minderheit kommt aus Arbeiterfamilien. Was ja in Deutschland immer noch einen Lebensstandard bedeutet, in denen im Vergleich zu anderen Ländern echte Not eher selten ist. Dennoch sind es gerade Vertreter dieser Gruppe, die sich oft gut an die Herausforderungen im eigenen Leben erinnern und ihre Entscheidungen davon leiten lassen, sie engagierter sind oder häufig mehr Wert darauf legen, dass es den eigenen Mitarbeitern gut geht.

Das alles ist Grund genug, sich heute mal mit einer Initiative zu beschäftigen, die Führungskräften dabei helfen will, genau diese Erfahrungen, die einen im eigenen Leben vielleicht erspart blieben, in gewisser Weise nachzuholen, mal die Perspektive zu wechseln, die Schattenseiten zu erleben, in denen es größere Probleme gibt als im Dienstwagen im Pendlerstau zu stehen, die Statusfolie nicht rechtzeitig erhalten zu haben oder im IT-Projekt nicht jeden Wunsch erfüllt zu bekommen. Das Programm heißt „Seitenwechsel“, getragen von der patriotischen Gesellschaft in Hamburg, einer der ältesten zivilgesellschaftlichen engagierten Vereine im deutschsprachigen Raum und es ist mir eine große Ehre heute Elke Sank, die seit vielen Jahren Programmleiterin von „Seitenwechsel“ ist, hier zu begrüßen und mit ihr über diese tolle Initiative zu sprechen, die noch viel mehr ist als nur eine Grenzerfahrung für viele Führungskräfte. Und damit ein ganz herzliches Willkommen an Elke Sank. Hallo Elke, freut mich sehr.

Elke Sank: Hallo, ich freue mich auch.

Die patriotische Gesellschaft

Dominik Josten: Elke, lass uns doch vielleicht zunächst kurz eins aus dem Weg räumen. In der gesellschaftlichen Debatte in den letzten Jahren wurde der Begriff „patriotisch“ ja leider häufig missbraucht. Ihr heißt jetzt eigentlich schon viel länger so, genau genommen fast 250 Jahre. Erzähl uns doch mal ein paar Worte zum Auftakt über die Geschichte der patriotischen Gesellschaft von 1765 und was ihr so alles macht, damit man auch mal sieht, das hat wirklich nichts mit dem zu tun, was manche Kreise heute mit „patriotisch“ bezeichnen.

Elke Sank: Der Name kommt daher, dass wir uns als Stadtpatrioten verstehen und die Stadtpatrioten haben 1765 gesagt, dass sie etwas Gutes für die Stadt Hamburg machen möchten und kümmern sich dort um die Bedürfnisse von Menschen, was alles in der patriotischen Gesellschaft zu finden ist, kann man gerne nochmal nachschauen, aber vielleicht so ein paar Beispiele: Wir sind Mitgesellschafter von Hinz&Kunzt, das ist das Hamburger Straßenmagazin, wir sind Mitbegründer von der Kinderstadt hier in Hamburg, wir kümmern uns um Stadtentwicklung und Denkmalpflege und haben auch das Diesterweg-Stipendium hier in Hamburg, wo es um Familien mit Bildungsstipendium geht für benachteiligte Familien. Daran merkt man glaube ich schon, wir verstehen dieses Wort wirklich anders als es heute leider auch missbraucht wird. Wir sind die freundlichen Stadtpatrioten und wir sind unparteiisch. Das ist nochmal ganz wichtig.

Dominik Josten: Das ist ja ein bisschen schade eigentlich, weil Patriotismus ist ja eigentlich „für etwas“ und daraus haben manche Kreise ein „gegen etwas anderes“ gemacht und das hat eigentlich nichts miteinander zu tun. Vielen Dank für die Einleitung. Da kann sich jeder auch nochmal auf der Website informieren, wer das möchte, aber ich dachte „sprich den Elefant im Raum kurz an“, nicht, dass er ein oder andere denkt „wo geht es denn hier rum? Patriotische Gesellschaft?“, aber wirklich eine ganz tolle Initiative, die ihr da habt und viel Gutes tut.

Elke Sanks eigener „Seitenwechsel“

Dominik Josten: Vielleicht jetzt ein bisschen zu dir, darum soll es ja eigentlich heute gehen, um dich und euer Programm. Du bist seit vielen Jahren Leiterin des Seitenwechsel-Programms, ich glaube 2008, und man könnte fast ein bisschen sagen „du lebst vor, was du anderen ermöglichen willst“. Du hast doch selber in deinem beruflichen Leben die Seiten gewechselt. Kann man das so sagen? Wie kam das?

Elke Sank: Ich bin selber großgeworden in Bonn und dort in der Bankenwelt. Ich habe dort die klassische Bankausbildung gemacht, in der Bankenwelt studiert, alle drei Jahre die Bank gewechselt, bis ich dann in die Personalentwicklung gegangen bin, an einer Akademie gearbeitet habe, ich habe mich da um die klassischen Trainings gekümmert und begleitet und dann habe ich 2005 gesagt „ich möchte mal was ganz anderes machen und woanders leben als im Rheinland“ und wollte ans Meer gehen und so kam die Insel Sylt zu mir oder ich zu ihr besser gesagt und da ich leider für die Gastronomie total ungeeignet bin und auch nicht in der Bank dort arbeiten wollte, ich wollte etwas neues machen, kam ich durch Zufall in den sozialen Bereich. Da gab es das Jugendaufbauwerk, inzwischen ist es leider geschlossen worden und dort waren junge Menschen zwischen 16 und 23, die vermutlich alle einen anderen Lebenslauf mitgebracht haben als wir beide ihn haben. Die habe ich dann unterrichtet und versucht, den Hauptschulabschluss zu erreichen und sie in eine Ausbildung zu bringen.

Durch diese Erfahrung, die ich da gemacht habe, das war für mich ja eine ganz andere Welt, das waren junge Menschen, wo ich früher vielleicht sogar die Straßenseite gewechselt hätte, die waren sehr stark mit Drogen in Kontakt gekommen, das war die letzte Station für sie, die kamen aus ganz unterschiedlichen Orten bundesweit da zusammen und dann sollte ich da Mathe und Buchführung unterrichten. Das war schon sehr herausfordernd, hat mir aber wirklich sehr viel Spaß nachher gemacht. Ich habe einen guten Zugang zu den jungen Menschen bekommen und ich habe eine ganze Menge von ihnen gelernt und bin dann nach 1 ½ Jahren nach Hamburg gewechselt, habe dort im sozialen Bereich gearbeitet, aber auch als Trainerin in der Wirtschaft und konnte mich nicht mehr entscheiden „gehe ich zurück in die Wirtschaft, bleibe ich im sozialen Bereich oder was mache ich jetzt eigentlich?“ und dann kam das Angebot von der patriotischen Gesellschaft, dass ich als Vermittlerin zwischen Wirtschaft und Sozialbereich arbeiten kann und das ist natürlich perfekt. So konnte ich beides zusammenbringen.

Das Programm Seitenwechsel

Dominik Josten: Das ist ja die perfekte Überleitung, weil man sieht ja an dir, wie sehr einen solche Erfahrungen verändern können und von daher kommen wir doch mal zu dem Programm „Seitenwechsel“. Vielleicht kannst du kurz selber erklären, worum es da geht. Du hast gerade schon gesagt „Vermittlung zwischen Wirtschaft und dem sozialen Bereich“. Wie muss man sich das vorstellen?

Elke Sank: Führungskräfte aus der Wirtschaft gehen für eine Woche in eine soziale Institution und das Besondere daran ist, sie dürfen ihre Fachkompetenz nicht einsetzen. Der Controller darf nicht controllen, der darf nicht am Ende der Woche sagen „in der Behindertenwerkstatt könnte man mit der halben Mannschaft doppelt so viele Filzeierbecher erstellen“, das ist verboten. Die Fachkompetenz muss zu Hause bleiben und ich darf auch keine Führungsaufgabe übernehmen. Ich muss mich auf einen Bereich einlassen als Führungskraft, in dem ich mich nicht auskenne, es ist vielleicht auch ein Bereich, wo ich Vorbehalte habe und muss mich drauf einlassen und gehe dort als Mensch rein, ohne Status und ohne Führungsaufgabe.

Dann kann ich aus einem Portfolio an Möglichkeiten eben in Begleitung mir das aussuchen, wo ich eine Woche gerne hinmöchte oder vielleicht auch im ersten Schritt nicht hinmöchte und dann helfe ich gerne dabei, herauszufinden, warum es gut ist, dass ich gerade dahin gehe.

Dominik Josten: Was sind das so für Einrichtungen? Hast du ein paar Beispiele, dass man sich das vorstellen kann?

Elke Sank: Wir arbeiten mit Einrichtungen zusammen aus dem Obdachlosenbereich, also z. B. Cafés für obdachlose Menschen, Tageseinrichtungen, aber auch Notunterkünfte. Wir arbeiten mit Wohngruppen für behinderte Menschen zusammen und mit Werkstätten, mit Justizvollzugsanstalten, mit Hospizen, im Suchtbereich sind es Suchtkliniken und Suchtberatungsstätten, wir arbeiten mit Einrichtungen für psychisch erkrankte Menschen zusammen, Tagesstätten für Demenz und Wohngruppen für Kinder und Jugendliche, die dort leben, die nicht mehr zu Hause leben können, wollen oder dürfen. Das ist so unser Portfolio.

Dominik Josten: Viele Herausforderungen und für jeden etwas dabei. Jetzt kommt ihr zwar aus Hamburg, aber ihr habt ja Partner in ganz Deutschland, oder? Das kann man direkt dazu sagen, dass die Leute nicht jetzt gleich abschalten, weil sie denken „ich bin hier in München, viel zu weit weg“. Man kann das durchaus an vielen Orten in Deutschland machen.

Elke Sank: Es ist bundesweit und wir haben an vielen Standorten Partner oder sind dort auch selber vor Ort. Unser Team ist sehr groß.

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Ungewohnte Situationen erleben, ungewöhnliche Erfahrungen machen. SeitenWechsel ist das Programm für Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung zur Weiterentwicklung der sozialen Kompetenzen. 

Die passende Einrichtung

Dominik Josten: Du hast eben gesagt „man wählt es eigentlich selber aus“, ist das wie ein Dialog, dass man sagt „was will man genau erleben, welche Perspektive möchte man mal wahrnehmen“ oder ratet ihr auch dazu? Wie muss man sich diesen Matching-Prozess vorstellen?

Elke Sank: Es gibt die Möglichkeit, dass man zu einem Markttag zu uns kommt. Dort stellen sich dann die sozialen Institutionen vor und man kann im direkten Gespräch herausfinden, welche Einrichtung jetzt für mich die richtige ist, wohin ich gehen möchte, das ist der eine Weg und der andere Weg ist: Man kann sich direkt von mir oder einer anderen Programmleitung vermitteln lassen in eine Einrichtung. Es wird unterschiedlich wahrgenommen. Je nachdem, ob ich eine individuelle Beratung haben möchte oder auch ob der Termin oder die Termine passen für mich, an denen die Markttage stattfinden.

Dann kann es eben durchaus sein, das habe ich häufiger schon mal, dass sich Teilnehmende dann für einen Markttag entscheiden und mich vielleicht vorher anrufen und dann als Beispiel sagen „ich gehe überall hin Frau Sank, aber ins Hospiz gehe ich nicht. Das will ich ihnen schon mal vorher sagen.“ Dann finde ich das interessant, weil etwas ausgeschlossen wird und am Markttag selber greife ich das selber nochmal auf und sage „sie müssen nirgendwo hin, wo sie nicht wollen“. Das ist auch ganz wichtig. Jeder entscheidet selber wohin er geht, aber wenn ich so eine Angst vor einem Bereich habe, dann lohnt es sich aus meiner Sicht sich dieser Angst auch einmal zu stellen und zu hinterfragen und mindestens mit der Einrichtung einmal zu sprechen, die an dem Markttag vertreten ist.

Da motiviere ich diejenigen sehr stark zu diesem Stand zu gehen und das passiert dann auch immer und es war zu 100 Prozent immer so, dass die hinterher dort ihre Woche gemacht haben. Wenn ich mit dem Vertreter einmal gesprochen habe, dann habe ich eigentlich schon den ersten Schritt gemacht und am Ende des Tages waren die eigentlich davon überzeugt, dass es sich lohnt die Woche genau da zu verbringen. Das vielleicht nur mal so als Beispiel.

Dominik Josten: Ich habe auch auf der Website ein paar Zitate gelesen von Leuten, die genau da waren im Hospiz und dann gesagt haben, dass es eigentlich eine ganz andere Erfahrung war, als sie das vorher befürchtet haben.

Erfahrungen der Teilnehmer

Dominik Josten: Damit kommen wir mal zu den Erfahrungen. Über die Jahre wirst du ja schon viele Teilnehmer miterlebt haben. Wie ist es so für die? Du hast ja eben schon gesagt „die kommen nicht als Führungskräfte hin, die die Obdachlosenunterkunft restrukturieren sollen“ und es muss ja auch eine Woche sein, kein kurzes Reinschnuppern, und ich gehe auch mal davon, es ist keine Option sich mittags mal zwei Stunden für Telekonferenzen freizunehmen. Was sind so die Erlebnisse, die dir Leute dir nachher berichten? Was nehmen die Leute so mit?

Elke Sank: So individuell wie die Woche ist, so individuell sind auch hinterher die Erkenntnisse und Erlebnisse. Ich kann mal so ein paar Beispiele nennen. Was mir gerade sofort einfällt, es gab mal einen Teilnehmer, das ist noch gar nicht so lange her, der hatte eine ganz klare Vorstellung weswegen er darein geht. Der hat gesagt „ich habe Probleme Nähe aufzubauen, ich möchte mir einen Bereich aussuchen, wo ich mit Nähe und Distanz in Berührung komme“. Dann habe ich ihn dabei unterstützt und habe ihn in eine Einrichtung für behinderte Menschen gegeben, weil dort ist Nähe sofort präsent. Er kam aus dieser Woche raus und hatte eigentlich eine ganz andere Erkenntnis noch dazu gewonnen.

Er arbeitet in einem Konzern, wo viele selbstorganisierte Teams sind. Er hat dort in dieser Wohngruppe für behinderte Menschen bei den behinderten Menschen ein selbstorganisiertes Team erlebt. Die haben das selbst organisiert, wie sie am Abend ihr Abendbrot anrichten, also wer die Teller hinstellt, wer den Orangensaft aufdreht, wer die Messer dahinlegt usw. Das haben die selber organisiert und er wollte da unbedingt mithelfen und ist eingesprungen und dann hat der Leiter der Wohngruppe gesagt „das lässt du mal schön bleiben.

Du kannst hier beobachten, aber das haben die selber im Griff. Die brauchen keine Hilfe von niemandem“. Er hat sich das angeschaut und war total beeindruckt, wie viel Kraft da auf einmal freigesetzt wurde und wie schnell das nachher auch ging und hat sich dann nochmal selbst überlegt „wie stark greife ich eigentlich in meine selbstorganisierten Teams ein?“, wahrscheinlich viel zu stark. Er ist da mit einer ganz anderen Erkenntnis rausgekommen. Das fällt mir gerade ein. Wir haben ja nur eine halbe Stunde...

Dominik Josten: Das, was die meisten am Ende interessiert, wie muss mich sich das einfach vorstellen? Viele gehen da so rein und denken so „ist bestimmt mal interessant“ und je länger man das erlebt, je mehr bildet sich wahrscheinlich auch ein völlig neues Bild. Ich glaube das ist schon spannend, wenn die Leute sich das etwas besser vorstellen können, wie es so in den verschiedenen Einrichtungen ist, z. B. im Obdachlosenheim oder im Hospizbereich. Erzähl ruhig.

Elke Sank: Zum Obdachlosenbereich: Da habe ich eine Geschäftsführerin vor Augen, die hat selber von sich gesagt, sie hat alles an Fortbildung rauf und runter gemacht, einschließlich einer eigenen Coachingausbildung und kam dann zu uns und wollte das dann irgendwie testen und hat sich für den Obdachlosenbereich entschieden und ist u. a. zu einem Straßensozialarbeiter mitgegangen. Die war hinterher total beeindruckt davon wie er auf diese Menschen zugegangen ist und wie wichtig dort Sprache auch ist, wie ich jemanden auch anspreche und sie hat gesagt, sie hat zum Thema Kommunikation in all ihren Seminaren, die sie bislang besucht hatte nicht so viel wie dort in dieser Begleitung und wie wichtig Sprache ist. Angefangen davon, dass sie nie wieder von Obdachlosen sprechen wird, sondern nur noch von obdachlosen Menschen und wie sie einen Zugang gewinnen konnte auch zu den Menschen auf der Straße. Das war für sie etwas, was sie ihr Leben lang nicht vergessen wird. Beim Hospiz, weil du es gerade angesprochen hast...

Dominik Josten: Genau, weil du eben dieses Beispiel genannt hast.

Elke Sank: Beim Hospiz geht es ganz viel darum, Gespräche zu führen und sich Zeit zu nehmen und man merkt auch dort wie hoch die Wertschätzung gegenüber dem einzelnen Gast – so werden ja diejenigen, die im Hospiz sind, bezeichnet – das sind Gäste und so werden sie auch behandelt, dieses individuelle, „was möchtest du heute essen?“, beim Hospiz Leuchtfeuer gibt es einen 5-Sterne-Koch, der jedem den individuellen Wunsch erfüllt und das einmal zu beobachten und auch diese Gespräche selber zu führen mit Menschen, die am Ende des Lebens stehen, was sie bewegt und wie sie jetzt von dieser Welt gehen, das ist eine sehr eindrucksvolle Erfahrung und man fragt sich schon auch „über welche Dinge habe ich mich eigentlich zuletzt so richtig geärgert und wie oft ärgere ich mich auch?“ und gibt es nicht vielleicht auch ein paar wichtigere Dinge im Leben, um die man sich kümmern kann? Da wird schon vieles auf den Kopf gestellt.

Dominik Josten: Das glaube ich auch. Dieser Vergleich, was man im beruflichen Alltag oft zu Problemen und Drama aufbläst, vieler dieser Menschen in den Organisationen würden wahrscheinlich dankend damit tauschen. Das sind ja meistens nicht wirkliche Probleme im typischen Businessalltag.

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Was haben die teilnehmenden Organisationen davon

Dominik Josten: Wie sieht das eigentlich aus mit den teilnehmenden Organisationen? Du hast ja schon gesagt, dass die Leute wirklich mitarbeiten müssen, aber wie nehmen die Organisationen das auf? Ihr wollt ja wahrscheinlich auch verhindern, dass es da so eine Art „Manager-Touristen“ gibt, die mehr im Weg stehen als dass sie nutzen, wie du eben sagtest in dem Beispiel mit der Selbstorganisation. Wie organisieren die das oder wie muss man sich das vorstellen, was für Aufgaben übernehmen die Leute, wie organisiert ihr das? Wie groß ist der Anteil von Arbeit und Anschauen?

Elke Sank: Vielleicht nochmal ganz klar: Wenn jemand Abenteuerurlaub oder einen Zoobesuch sucht, ist er bei uns total falsch. Wir arbeiten mit Einrichtungen zusammen, die zum Teil seit 20 Jahren mit dabei sind und das mit großer Begeisterung und warum machen die mit? Was wir immer hinterher von den Einrichtungen hören, ist, dass sie es erstmal gut finden, wenn jemand aus der Wirtschaft mal reinkommt und mit einem anderen Blick auf Sachen schaut, aber eben auch vor allen Dingen eine Form der Wertschätzung ihren Klienten entgegenbringt, sich Zeit nimmt und mit obdachlosen Menschen, mit suchterkrankten Menschen, mit psychisch erkrankten Menschen spricht und das nehmen die Klienten als sehr positiv wahr. Das ist das Eine. Aber es gibt auch eine hohe Form der Wertschätzung gegenüber der sozialen Einrichtung, die es zum Teil von der Gesamtbevölkerung nicht gibt. Wenn ich an das Thema Strafvollzug denke. Das ist ein Punkt.

Bezüglich der Vorbereitung ist es so, dass im Vorwege die Führungskräfte einen exemplarischen Wochenplan bekommen und noch ein paar mehr Unterlagen, aber daran sehen sie schon, wie diese Woche ungefähr organisiert wird. Da geben sich die sozialen Einrichtungen unheimlich viel Mühe, damit man eben auch sehr vielfältig sieht, was in dieser Woche passiert. Dann gibt es ein Vorgespräch, es gibt eine gute Einführung, man wird integriert in das Team und jeder aus der Einrichtung wird gefragt „ist das in Ordnung, wenn hier ein Seitenwechsler für eine Woche mitarbeitet und kommt?“. Es muss eine Zustimmung geben von allen. Dieser Seitenwechsel findet eben auf Augenhöhe statt.

Mit dieser guten Vorbereitung und Nacharbeitung integriert in diesem Team ist es eben auch so, dass da eben auch für alle Seiten ein Nutzen entsteht. Das ist uns als patriotische Gesellschaft auch ein wirkliches Anliegen. Es soll hier nicht einseitig irgendwas rausgezogen werden. Es soll auch keiner ausgenutzt werden. Am Ende der Woche sollen alle sagen „toll, das hat uns allen etwas gebracht“.

Dominik Josten: Sie wollen wirklich der Gesellschaft im Allgemeinen etwas Gutes tun und nicht nur den Managern. Da gibt es ja viele, die es ein bisschen mehr nötig haben als die Führungskräfte.

Wie kommt man ins Programm

Dominik Josten: Wenn wir mal überlegen, man ist z. B. Personalverantwortlicher in einem Unternehmen und denkt sich jetzt „okay, das wäre eigentlich auch etwas für mich“. Was sind so deine Erfahrungen, ist es oft was, was von Personalern organisiert wird oder kommen die Führungskräfte von alleine unabhängig, zum Teil privat zu euch? Und danach so ein bisschen: Wie läuft das eigentlich genau ab, wenn eine Firma mit euch zusammenarbeiten will, welche Bedingungen gibt es? Welche Kosten sind auch damit verbunden? Vielleicht kannst du da mal so ein bisschen erzählen, was so üblich ist. Private Teilnahme, firmenbezogene Teilnahme, schicken manche auch ihre ganze Führungsmannschaft auf einmal?

Elke Sank: In der Regel ist es so, dass wir den direkten Kontakt mit dem Personalbereich suchen oder auch Geschäftsführung und Vorstand. Es gibt viele Empfehlungen von Vorstand zu Vorstand, Geschäftsführung zu Geschäftsführung oder auch unter den Personalern, die das dann anderen weiterempfehlen. Es gibt aber auch einzelne Führungskräfte, die von uns gehört haben, z. B. haben wir immer „Seitenwechsel im Gespräch“, das bieten wir jedes Quartal an, wo man einfach mal reinhören kann und dann gibt es Führungskräfte, die sagen „das finde ich super, gibt es aber bei uns im Unternehmen noch nicht, aber ich spreche das an, ich möchte das gerne machen“.

Es ist unterschiedlich, in der Regel ist der Personalleiter unser Ansprechpartner oder Leiter Personalentwicklung und es ist auch so, dass sie gerne auch dieses Programm einmal testen, das empfehle ich auch, und am schönsten finde ich natürlich auch, wenn der komplette Vorstand oder die komplette Geschäftsführung eben auch einen Seitenwechsel machen. Da hatten wir jetzt auch einige. Die schaffen das auch eine Woche lang und kommen wieder und das Unternehmen gibt es immer noch. Man kann auch als Vorstand eine Woche mal fehlen.

Dominik Josten: Selbstverständlich, nicht nur im Vorstand, auch darunter.

Elke Sank: Du hattest aber noch eine zweite Frage, oder?

Dominik Josten: Genau, wie läuft das dann ab? Eins ist ja schon klar geworden, diese eine Woche muss man auf jeden Fall machen und das ist ja dann so ein bisschen Ehrenkodex, das auch zu machen, weil natürlich auch alle Beteiligten in der Organisation sich natürlich darauf verlassen. Kosten sind wahrscheinlich auch ein bisschen damit verbunden, weil man muss das Ganze ja auch tragen. Ist es eher so, dass ihr dann längerfristig mit Unternehmen zusammenarbeitet, die dann regelmäßig Leute schicken?

Elke Sank: Wir haben einige Unternehmen, mit denen wir schon sehr lange zusammenarbeiten, wir haben auch Unternehmen, die sagen „das gehört zu unserer Unternehmenskultur. Wir möchte gerne, dass Führungskräfte sich eben auch dem Seitenwechsel stellen, diese Woche in einer sozialen Einrichtung verbringen“. Es gibt Unternehmen, die sagen „jedes Jahr kommen so und so viele“ und man kann sich quasi innerhalb des Unternehmens drauf bewerben. Es ist unterschiedlich, wie die Unternehmen das händeln. Ich finde es besonders schön, wenn es Teil der Unternehmenskultur geworden ist, dann hat es die größte Wirkung und dann hat man wirklich etwas zum Thema „gesunde Führung“, zum Thema „diversity“, zum Thema „Change“ und „Resilienz“ mit diesem Programm getan und zum Thema „soziale Kompetenz“ sowieso, das ist ja eh klar. So ist es eben sehr unterschiedlich.

Das besprechen wir individuell im Team, je nachdem in welcher Region das eben auch ist mit den Unternehmen und da schauen wir genau „was passt ganz gut zum Unternehmen?“, wir sind auch schon in Programme integriert worden, auch für Nachwuchsführungskräfte. Es ist nicht nur für Führungskräfte und Führung verändert sich ja, auch Nicht-Führungskräfte sind bei uns willkommen. Es gibt so viele verantwortungsvolle Positionen im Unternehmen, wo es wirklich hilfreich ist, eben einmal komplett die Perspektive zu wechseln und mit einer neuen Perspektive zurückzukommen. Das ist sehr vielfältig.

Dominik Josten: Kann ich mir bestens vorstellen, jemand aus der Kundenbetreuung kann vielleicht von der Gelassenheit profitieren, die man sich in der Arbeit mit Behinderten angewöhnt oder erlebt. Die Frage war ja noch mit den Kosten und wenn jemand sagt „finde ich super, da möchte ich meine Leute hinschicken“, wie sieht das logistisch aus? Gibt es da eine Warteliste, wie schnell seid ihr da, wie ist da so die Vorlaufzeit? Müsste man sich jetzt melden, um im Dezember dranzukommen oder geht es eben doch etwas kurzfristiger?

Elke Sank: Also zu den Kosten: Der Seitenwechsel besteht aus einer Vorbereitung in Form eines Markttages oder evtl. Vermittlung und natürlich diese ganze Beratung, die sowieso dazukommt, dann die Woche und es gibt auch einen Transfertag, wo sich hinterher die Führungskräfte austauschen und diese Erlebnisse von der Suchtklinik oder Einrichtung für psychisch Erkrankte austauschen, sodass man eben auch diese Erlebnisse aus den anderen Bereichen teilen kann und diese Erfahrung daraus. Dieses gesamte Programm kostet 2.500 EUR und davon geht eben auch ein Anteil an die soziale Institution. Die soziale Institution erhält davon 700 EUR und der Rest dient der Kostendeckung. Wir machen damit keine Gewinne. Das vielleicht so zu dieser Struktur, die wir da anbieten.

Dominik Josten: Und das finde ich persönlich nicht viel, wenn man sich anschaut, was man teilweise für generische Trainings bezahlen muss. Da sind locker auch 1.000, 2.000 EUR am Tag drin für eine Präsentationsschulung oder sowas.

Elke Sank: Vielleicht spürt man so meine eigene Begeisterung, bei uns bekommt man ja nicht nur ein Seminar, das hat letztens auch ein Teilnehmer gesagt, der hat gesagt „ich habe gleich drei oder vier Seminare gleichzeitig“, weil diese ganzen Gesundheitsthemen zum Thema Sucht, psychische Erkrankungen etc., die kommen ja noch hinzu und deswegen sagte er „das sind ja verschiedene Seminare in einem“, deswegen fand er diese Woche auch gar nicht mehr so lang.

Dominik Josten: Ich habe es in der Einleitung schon gesagt, ich glaube solche Erfahrungen sind viel mehr wert als irgendein mal kurzes, theoretisches Training. Du hast eben auch mal zwischendurch gesagt, die ganzen Kommunikationstrainings im beruflichen Kontext sind ja schon ein bisschen gefiltert, die wirkliche Persönlichkeit kommt ja oft auch nur in Krisensituationen vor, wenn es wirklich stressig oder eng wird und alle sind irgendwie in so einer professionellen Filterblase. Es funktioniert auch, wenn man nicht perfekt kommuniziert. Irgendwie geht es trotzdem weiter, wenn die Chefs sich nicht vernünftig verhalten, aber in solchen Einrichtungen erreicht man auch einfach mal gar nichts, weil die andere Seite eben nicht diesen professionellen Filter hat, wenn sie auf der Straße leben oder eben im Gefängnis sitzen oder sonst wo. Deswegen ist das glaube ich eine Wahnsinnserfahrung, viel mehr als ein Theorietraining.

Elke Sank: Das finde ich auch. Du hattest noch eine weitere Frage...

Dominik Josten: Genau, mit der Warteliste. Wie schnell geht das einfach? Wenn man das jetzt hört und begeistert ist und jetzt gerade im Sommer, geht das so schnell?

Elke Sank: Gerne. Bei uns ist es so, dass man individuell immer einsteigen kann, wenn man eben auch individuell vermittelt werden möchte, dann geht es zu jedem Zeitpunkt. Dann filtern wir das raus, dann bespreche ich das mit den Einrichtungen, die in Frage kommen, dann schaut man sich die Einrichtung an und entscheidet dann, ob es das Richtige ist. Da ist es eben abhängig davon, wann dieser Zeitraum, den sich die Führungskraft aussucht zu der Einrichtung eben auch passt, das wird ja immer individuell abgesprochen. Die Woche wird ja nicht von uns festgelegt, sondern die wird zeitlich zwischen den Teilnehmenden und den sozialen Institutionen festgelegt, das ist vielleicht auch nochmal ganz wichtig. Wenn ich Wert lege auf die Teilnahme eines Markttages, dann muss ich eben schauen, „wann ist der nächste Markt?“. Das kann man eben auch absprechen. Wenn es eine Mindestteilnehmerzahl gibt von acht Teilnehmenden können wir auch individuelle Markttage im Unternehmen selber organisieren.

Dominik Josten: Kurz zum Verständnis: Die Markttage waren die Tage, wo sich die verschiedenen Institutionen letztlich vorstellen, oder?

Elke Sank: Genau.

Dominik Josten: Man fängt aber nicht direkt danach die Woche an, sondern man lernt sie da kennen und dann entscheidet man sich und sucht dann einen Termin für die Woche?

Elke Sank: Genau, den Termin kann man am Markttag selber schon festlegen, weil ich dann immer sage „bringen sie gerne ein, zwei Wochen mit, die bei ihnen ganz gut passen innerhalb der nächsten vier Monate“ und dann wird diese Woche dann am Markttag selber schon fixiert. Das finde ich immer am schönsten, als wenn man das hinterher noch machen muss. So geht man wirklich nach Hause, hat die Einrichtungen kennengelernt, hat sich für eine Einrichtung entschieden, hat die Woche fixiert und weiß genau, was auf einen zukommt.

Dominik Josten: Tatsächlich kommen wir langsam ans Ende der Zeit, auch wenn ich das super spannend finde, aber vielleicht auch schon mal ein kleiner Hinweis in eigener Sache, du hast uns ja auch einen Kontakt hergestellt für HR Heute zu ehemaligen Teilnehmern, dass wir da auch nochmal versuchen einen Erfahrungsbericht ausführlicher zu bekommen, schon mal so ein kleiner Hinweis, ich hoffe das funktioniert, aber da bin ich sehr zuversichtlich, vielen Dank auch nochmal für die Vermittlung, weil ich finde es wirklich ein mega cooles Programm und mega spannend und das sollten unsere Personaler draußen unbedingt wissen und was man dazu noch machen kann.

Das Jugendprogramm NEXTgeneration.social

Dominik Josten: Ich würde gerne noch ein letztes Thema ansprechen, das hattest du im Vorgespräch kurz erwähnt und das fand ich auch sehr spannend und das sollte wenigstens hier noch ein bisschen erwähnt werden und zwar hast du erzählt, dass ihr ja jetzt auch noch eine ähnliche Initiative, aber eben nicht für Führungskräfte, sondern für junge Menschen, ins Leben gerufen habt – NEXTgeneration.social. Vielleicht kannst du hierzu nochmal kurz etwas erzählen, weil ich glaube das ist auch für viele spannend, weil das nochmal eine andere Zielgruppe ist, der ein oder andere mag vielleicht gerade an sein pubertäres Kind denken oder was auch immer. Erzähl doch darüber nochmal etwas. Ich glaube das ist spannend und passt gut rein thematisch.

Elke Sank: Das ist jetzt ein ganz neues Programm – NEXTgeneration.social, so ist auch die Internetseite dazu und das richtet sich an 16-25 Jährige und die Idee ist eigentlich entstanden aus den Transfertagen heraus, die wir mit den Führungskräften haben, weil die oft sagen „warum musste ich eigentlich so lange warten bis ich Führungskraft werde, um an so einem Programm teilnehmen zu können“. Dann haben wir das für die Nachwuchsführungskräfte gemacht, aber letztlich gibt es ja auch ganz viele Auszubildende im Unternehmen, die dort neu einsteigen und wo es schon gut ist, wenn man da am Anfang ansetzt und eben noch etwas zum Thema „soziale Kompetenz“ anbieten kann. Deswegen haben wir ein digitales Programm entwickelt, das richtet sich an diese junge Menschen, jetzt sind gerade 60 Personen in diesem Programm drin, das ist rein digital. Das sind 1 ½ stündige Veranstaltungen, es geht los mit einer Orientierungsveranstaltung für die jungen Auszubildenden und Studierenden, die sich untereinander austauschen über unsere Themen.

Dieses Portfolio hatte ich ja eben dargestellt und ihre Sichtweisen äußern und dann gibt es sechs digitale Veranstaltungen mit sozialen Institutionen, wo man in den direkten Dialog tritt. Das Besondere ist, dass man nicht über Menschen spricht, sondern mit ihnen spricht. Beim Thema Obdachlosigkeit war jetzt Volker, ein obdachloser Mensch, dabei, den man direkt befragen konnte und der diesen Dialog auch sehr schön fand.

Das Thema „psychische Erkrankungen“ hatten wir gerade, da haben wir aus drei Perspektiven berichten lassen, von einem Experten, von einer Betroffenen und einem Angehörigen. Es wurden so viele Fragen gestellt. Dann gibt es zum Schluss nochmal eine Abschlussveranstaltung, wo wir nochmal schauen „welche Bilder haben sich verändert?“. Das Ganze führt hoffentlich zu mehr sozialem Engagement, das haben wir schon in den Veranstaltungen festgestellt, dass es immer wieder Thema ist „wo kann ich mich selber sozial engagieren“ und es ist der erste Schritt zu einem Perspektivwechsel. Es ist natürlich keine Woche in einer sozialen Einrichtung, aber es ist ein direkter Dialog mit Menschen in schwierigen Lebenslagen und auch Menschen, die sich um diese Menschen kümmern. Ich glaube da kann man ganz viel gewinnen und ganz viele Erkenntnisse mitnehmen.

Das Ganze ist bei uns im gemeinnützigen Bereich angesiedelt der patriotischen Gesellschaft, d. h. es ist kostenfrei für alle Teilnehmenden, das war uns ein Anliegen, dass keiner von diesen jungen Menschen etwas zahlen muss, wenn er dieses Format bei uns betritt, sondern eine Anmeldung reicht und es wird aber getragen von Unternehmen, die uns unterstützen und von Stiftungen. Wer da gerne Förderpartner werden möchte, einfach sich an mich wenden. Wir freuen uns über jeden, der das Programm unterstützt, sodass wir es die nächsten Jahre noch fortführen können.

Dominik Josten: Das wünsche ich euch. Wir packen natürlich die Informationen, wie man euch unterstützen kann, auch hier in die Shownotes und auch bei uns auf die Seite nochmal, weil ich glaube das ist es wirklich absolut wert und ich finde es eine klasse Sache. Ich habe an anderer Stelle schon mal erzählt, da musste ich gerade dran denken, wo du es mit dem Dialog erwähnst, wir haben als Teammeeting diesen „Dialog der Stille“ mitgemacht mit den Gehörlosen und der Dialog mit den Betroffenen und selbst wenn es nur 1 ½ Stunden sind, macht schon einen riesen Unterschied. Das war ein Erlebnis, was die meisten nicht mehr vergessen, weil es spannend und faszinierend war, selbst wenn es nur kurz ist. Deswegen kann ich es nur jedem empfehlen und unterstützen, dieses Programm für die Azubis oder als Traineeprogramm anzubieten und erst recht für die Führungskräfte.

Du, Elke, das war wirklich super spannend und ich finde es wirklich klasse, was ihr da macht und ich finde es ist so ein Musterbeispiel, wie man auch sieht, dass man als Personaler wirklich auch eine Unternehmenskultur beeinflussen und verändern kann, indem man solche Programme unterstützt und anbietet, weil genau das ist das, was die Leute viel stärker formt als ein E-Learning, weil manche Dinge kann man nicht in einem E-Learning vermitteln. Von daher, ich finde es super spannend, ich finde es toll, was ihr da macht und ich wünsche euch weiterhin ganz viel Erfolg, wir werden weiter auch dafür werben, auch bei uns auf der Seite, HR heute, weil es ein bisschen Aufmerksamkeit verdient. Dir erstmal ganz herzlichen Dank für die Zeit und die Einblicke. Man spürt immer, was du für eine Leidenschaft dafür hast, du könntest auch stundenlang Beispiele erzählen und wir haben bestimmt nochmal die Gelegenheit, das zu tun und erstmal ganz herzlichen Dank, das war ein spannender Einblick. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit dem, was ihr da macht. Das ist wirklich klasse.

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