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Recruiting Trends 2020

Diese Recruiting Trends sollten Sie 2020 kennen, um im stark umkämpften Bewerbermarkt bestehen zu können

 

Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende zu und der Endspurt vor ein paar ruhigen freien Tagen um Weihnachten und Neujahr ist angebrochen. Leider ist die Adventszeit in den meisten Betrieben keine besonders entspannte und besinnliche Zeit, da an allen Ecken und Enden noch schnell etwas fertig gemacht werden muss. Trotzdem möchte ich Sie ermuntern jetzt schon an das neue (Recruiting-) Jahr zu denken. 

Was wird wichtig in der Personalauswahl, was kommt auf Recruiter zu und wie positioniert sich das Unternehmen richtig am Markt um die geeigneten Kandidaten zu finden? Ihr Vorteil: wenn Sie sich jetzt schon Gedanken über ihr Recruiting 2020 machen verlieren Sie im neuen Jahr keine Zeit bei der Umsetzung der Maßnahmen. Zur Unterstützung haben wir im Folgenden die nach unsere Meinung fünf wichtigsten Recruiting – Trends für das Jahr 2020 zusammengefasst.

Trend 1: Green Recruiting

Spätestens seit den „Fridays for Future“ Demonstrationen und den regelmäßigen Auftritten von Greta Thunberg kommt keiner mehr um das Thema Umwelt und den Schutz der Erde mit ihrer Artenvielfalt herum. Es gibt Menschen, die sind bereits unglaublich genervt von allem was mit Umweltschutz zu tun hat, andere halten es für extrem wichtig sich endlich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Und gerade bei der jüngeren Generation ist die Thematik verständlicherweise hoch im Kurs, immerhin müssen sie noch am längsten mit etwaigen Klimaproblemen leben. Sie Fragen nun was das mit ihrem Recruiting zu tun hat? Tatsächlich einiges. Wie gesagt sind vor allem junge Leute wachsam, wenn es um das Thema Klima geht, also gerade die Generation, die kurz vor dem Eintritt in das Arbeitsleben steht. Das sind somit Ihre zukünftigen Mitarbeiter. Untersuchungen zeigen, dass sich Bewerber, vor allem jüngere Kandidaten, heute durchaus damit befassen wie nachhaltig ein Unternehmen agiert und lassen diesen Aspekt in die Auswahl des potenziellen Arbeitgebers einfließen. Wenn Sie also bereits heute etwas für den Umweltschutz tun, zum Beispiel sogenanntes Bike Leasing[1] für Mitarbeiter anbieten damit diese mit dem Rad zur Arbeit kommen, Inlandsflüge bei Geschäftsreisen vermeiden oder versuchen besonders nachhaltig zu produzieren nehmen Sie das auf jeden Fall in ihre Employer Branding Strategie auf und kommunizieren Sie diese Punkte auf der Karriereseite.

Außerdem können Sie auch ganz konkret den Auswahlprozess von Kandidaten umweltfreundlich gestalten und dies als Wettbewerbsvorteil in der Gewinnung von neuen Mitarbeitern nutzen und positionieren.

Praktische Tipps:

Nachhaltigekeit


Junge Menschen bevorzugen nachhaltige Unternehmen. Zustimmung zur Aussage "Ich bevorzuge es, für ein nachhaltiges Unternehmen zu arbeiten."
Nachhaltige Unternehmen Statistik

Quelle: Nielsen - Global Corporate Social Responsibility Report

Trend 2: Strategische Ausrichtung des Recruitings

So richtig neu ist dieses Thema nicht denken Sie? Die Rolle des Recruiters wandelt sich: von der administrativen Tätigkeit hin zu einem strategischen Partner der Geschäftsführung? Haben sie alles schon mal gehört? Richtig, kann gut sein, trotzdem sage ich, dass es für das kommende Jahr besonders relevant wird, sich als strategischer Partner zu positionieren im Recruiting. Dafür gibt es vor allem einen ausschlaggebenden Grund. In den meisten Branchen ist der konjunkturelle Aufschwung vorbei und es steht bei vielen Unternehmen ein wirtschaftlich eher schwieriges Jahr 2020 an. Und in diesen schwierigen Zeiten werden meist weniger oder gar keine Stellen im Unternehmen besetzt. Und auch Kandidaten sind eher vorsichtig was einen Jobwechsel angeht und bleiben lieber bei ihrem derzeitigen Arbeitsplatz wenn der in absehbarer Zeit sicher erscheint.

Viele Unternehmen beschäftigen sich also derzeit eher mit Kurzarbeit oder sogar Stellenabbau anstatt groß über das eigene Recruiting zu sprechen. Das sind für die Personalbeschaffung keine angenehmen Zeiten und der Recruiter hat dadurch oft auch weniger zu tun. Gerade deshalb sollten Sie sich mit Ihrer Arbeit im Recruiting strategisch schlau positionieren damit das Thema nicht in Vergessenheit gerät. Denn bei einer Sache bin ich mir ziemlich sicher: irgendwann kommt auch der wirtschaftliche Aufschwung zurück und es werden wieder mehr Fachkräfte gebraucht und damit auch eingestellt. Bereiten Sie sich auf diese Zeit vor!

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Sie können die Zeit in der weniger Stellen zu besetzen sind auch generell nutzen um Ihre Recruiting-Strategie zu überdenken und sich im Unternehmen und nach Außen hin ganz neu zu positionieren. So kann zum Beispiel darüber nachgedacht werden wie der Prozess im Recruiting verbessert werden kann um schneller zu werden oder wie Dinge im Recruiting auch für den Kandidaten vereinfacht werden können. Und auch das Personalmarketing kann nun gut auf den Prüfstand gestellt werden. Sind die Themen und wie um Kandidaten geworben wird noch aktuell oder kann hier auch das Ein oder andere verbessert werden?

Nutzen Sie die Zeit auf jeden Fall klug und positionieren Sie sich mit Ihrem Recruiting strategisch passend, damit das Thema nicht in Vergessenheit gerät.

 

Trend 3: Kandidaten als Mittelpunkt des Einstellungsprozesses – Candidate Centricity

Haben Sie auf Ihrer Unternehmenswebseite auch stehen „der Kunde ist bei uns König“, „Mitarbeiter stehen bei uns im Mittelpunkt“, „unsere Mitarbeiter sind unser wertvollstes Gut“ oder ähnliches? Das hört sich gut an und mag durchaus auch so stimmen. Was allerdings viele Unternehmen vergessen: den neuen potenziellen Mitarbeiter in den Mittelpunkt eines Auswahl- und Einstellungsprozesses zu stellen. Dabei ist dieser Aspekt heutzutage besonders wichtig: den Kandidaten als den wichtigsten Aspekt eines Recruitings zu sehen und nicht beispielsweise die Stelle oder den einstellenden Fachbereich. Viele Kandidaten sind sich ihres heutigen Marktwertes durchaus bewusst und agieren auch so auf dem Bewerbermarkt. Wenn daher das Gefühl von fehlender Wertschätzung beim Bewerber aufkommt oder sich der komplette Prozess als holprig und schwer darstellt, wird sich dieser Kandidat höchstwahrscheinlich direkt nach Alternativen umschauen. 
In der Personaler Welt gibt es einen Begriff dafür: Candidate Centricity. Zahlreiche Aspekte weisen darauf hin wenn „Candidate Centricity“ im Recruiting eines Unternehmens nicht gelebt wird. Hier einige Beispiele:

  • Die Karriereseite oder die offenen Stellen eines Unternehmens sind kaum auffindbar
  • Der Bewerbungsprozess ist kompliziert, langwierig und nicht mobil optimiert
  • Das Anhängen eines Anschreibens wird verlangt sowie seitenlanges befüllen eines Bewerbungsformulars
  • Es erfolgt keine Rückmeldung auf die Bewerbung
  • Die Kommunikation zum Kandidaten zeichnet sich nicht durch Wertschätzung aus
  • Es liegen dem Bewerber keine Informationen zum aktuellen Stand der Bewerbung vor
  • Das Unternehmen verschickt keine Absagen an die Bewerber

Es verwundert mich tatsächlich immer wieder, aber bei vielen Unternehmen verursachen diese Aspekte immer noch Probleme. Zur Verteidigung der Unternehmen muss man sagen, dass viele Bewerbermanagementsysteme für Candidate Centricity (noch) nicht ausgelegt sind. Häufig wird von einer Stelle im System ausgegangen, die zu besetzen ist. Diese Stelle steht im Mittelpunkt des systemseitig abgebildeten Prozesses und potenzielle Bewerber werden auf entsprechenden Stellen administriert. Dabei wäre es hilfreich eine Kandidatenakte zu haben und mit dieser auf verschiedenen Stellen zu arbeiten. Gerade im Hinblick darauf, dass sich für das Jahr 2020 wie erwähnt abflauende wirtschaftliche Zeiten ankündigen und basierend darauf auch gar nicht mehr so viele Stellen zu besetzen sind.

Wenn sie bisher Stellen im Mittelpunkt Ihres Recruitings hatten und nun sind keine Stellen mehr zu besetzen schläft Ihr Recruiting völlig ein. Wenn dann allerdings in einem Jahr der Aufschwung zurück kommt und wieder mehr gut ausgebildete Mitarbeiter gebraucht werden, haben Sie ein Jahr verloren. Wenn Sie hingegen das Jahr nutzen um mit potenziellen Kandidaten eine Beziehung aufzubauen, haben sie in der Aufschwung Phase einen Pool aus potenziellen neuen Mitarbeitern mit dem sie arbeiten können.

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Trend 4: Von formalen Abschlüssen zu Soft Skills

Im heutigen Unternehmensumfeld bestimmt der Wandel mehr denn je die tägliche Arbeit. Fähigkeiten und Kenntnisse die vor 5 Jahren eventuell noch dringend benötigt wurden können heute schon überholt oder gänzlich überflüssig sein. Was bedeutet das für Ihr Recruiting?

Während es vor ein paar Jahren noch unglaublich wichtig war welchen formalen Abschluss man vorweisen kann und wie viel Erfahrung man in einem speziellen Bereich hatte, werden heutzutage andere Themen wichtig. Natürlich muss auch in Zukunft darauf geachtet werden: bringt der Mitarbeiter die generell nötigen Kenntnisse für den Bereich mit in dem er eingestellt werden soll. Ein Elektroingenieur in der Marketingabteilung macht wenig Sinn, ebenso in umgekehrter Weise. Trotzdem müssen Unternehmen sich darauf einstellen im Recruiting mehr als auf den Abschluss des Studiums, die seither gesammelte Erfahrung und eventuell noch ein paar Teamfähigkeit Skills zu fokussieren.

Was stattdessen immer wichtiger wird ist: wie gut kann ein Mitarbeiter mit dem kontinuierlichen und schnellen Wandel im Unternehmensumfeld umgehen? Bringt er die nötigen Soft Skills mit um mit diesen Herausforderungen umzugehen? Wenn ein Mitarbeiter bereit ist sich auf Innovationen einzustellen, neue Themen zu lernen und den fortlaufenden Wandel im Unternehmen im Team aktiv mitzugestalten, ist das heute mehr Wert als die beste Note im Studium oder während der Ausbildung.

Stellen Sie dagegen Mitarbeiter ein, die derzeit die Besten am Markt sind und denen man in ihrem Fachgebiet nichts vormachen kann, diese aber nicht bereit sind am Ball zu bleiben und auch mal kritisch zu hinterfragen, ob das was sie tun immer noch der richtige Weg ist, könnte das für Sie als Unternehmen durchaus schwierig werden.

Bei welchen Fähigkeiten (Soft Skills) wächst die Nachfrage in den kommenden 10 Jahren prozentual am stärksten? 

SoftSkills_Blog

Quelle: LinkedIn Studie 2017, durchgeführt von Bitkom Research GmbH


Und diese Soft Skills sollten auch nicht mit dem Alter eines Mitarbeiters zu tun haben. Sicherlich mag es so sein, dass sich jüngere Mitarbeiter mit diesen Anforderungen leichter tun, trotzdem sollten auch Mitarbeiter die seit 30 Jahren in Berufsleben stehen den Willen zur Veränderung und damit zur Verbesserung mitbringen. Diese Fähigkeiten zu erkennen und abzufragen bei der Einstellung eines neuen Mitarbeiters wird in Zukunft eine wichtige Aufgabe von HR. Verantwortlichen sein, um mit dem Unternehmen wettbewerbsfähig zu bleiben.

Trend 5: Einsatz von Virtual Reality

Virtual Reality hält in allen möglichen Bereichen Einzug und auch das Recruiting sollte sich vor diesem Trend nicht verschließen. Für alle die eventuell noch nichts von diesem Thema gehört haben: es handelt sich dabei um das Erleben einer virtuellen Welt, die auf Basis von Computern generiert wurden. Eintauchen in diese Welt können Menschen mit gewissen Hilfsmitteln, wie beispielsweise riesigen Brillen (ähnlich einer Skibrille) oder Helmen. Mit diesen kann sich der Nutzer durch eine virtuell geschaffene Welt bewegen und soll den Eindruck vermittelt bekommen, er wäre mitten drin im Geschehen.

Wie lässt sich diese Technik nun im Recruiting nutzen?

Virtuelle Welten, in denen sich ein Interessent bewegen kann, dienen sehr gut der Ergänzung von klassischem Videomaterial. Vor allem auf Messen lässt sich ein solches zusätzliches Employer Branding Werkzeug wunderbar einsetzen. So können Bewerber schon mal einen virtuellen Rundgang über das Firmengelände machen und bekommen einen Eindruck von den Gegebenheiten der Räumlichkeiten vor Ort. Kandidaten haben die Möglichkeit sich spielerisch über verschiedene Bereiche des Unternehmens zu informieren und bekommen einen besseren und authentischeren Einblick als über klassische Videos. Auch mit zukünftigen Kollegen ist eine Interaktion über die virtuelle Realität möglich. Man kann so als Interessent schon mal abklären ob die zukünftigen Kollegen sympathisch erscheinen, wie die Kantine aussieht und ob die Büroräume hell und freundlich sind oder eher dringend mal wieder eine Renovierung benötigen.

Natürlich ersetzt die virtuelle Realität keinen persönlichen Besuch im Unternehmen um sich ein eigenes Bild zu machen, falls ein Wechsel zu dem entsprechenden Unternehmen konkreter wird. Trotzdem kann man durch einen virtuellen Rundgang ein gutes erstes Gefühl bekommen. Außerdem zeigt diese Öffnung des Unternehmens an potenzielle Bewerber, dass sie nichts zu verbergen haben. Das schafft Vertrauen und macht es Kandidaten einfacher, sich für Sie als neuen Arbeitgeber zu entscheiden. Sicherlich bringt die Erstellung einer solchen computerbasierten virtuellen Welt auch einiges an Arbeitsaufwand und Kosten mit sich. Trotzdem sollten sich Unternehmen mit diesen Möglichkeiten beschäftigen, um nicht von der Konkurrenz im Recruiting überholt zu werden. Ich denke die Investition lohnt sich.

Fazit:

Ich bin sicher, nicht alle genannten Recruiting Trends werden für das kommende Jahr relevant sein für Sie. Trotzdem konnte hoffentlich ein Denkanstoß gegeben werden, welche Themen wichtig werden und womit Sie sich in Zukunft auseinandersetzen sollten. Picken Sie sich einfach die Ideen raus, die für Sie interessant sind und machen Sie sich ans Werk, diese Themen anzugehen. Wenn Sie dabei Hilfe benötigen oder zu einzelnen Themen genauere Informationen wünschen, wenden Sie sich gerne an uns. Ansonsten wünschen wir Ihnen eine möglichst ruhige Vorweihnachtszeit und viel Spaß mit den neuen Themen im Recruiting!


[1] Bike Leasing: Mitarbeiter können über Ihren Arbeitgeber ein Fahrrad mieten zu vorteilhaften Konditionen über einen gewissen Zeitraum hinweg.