Was ich von Jogi Löw über Personalauswahl gelernt habe

Erfolgreiche Teams sind kein Zufall: 5 Tipps für die Personalauswahl

Von Kompetenz und Persönlichkeit

Kennen Sie Sandro Wagner? Sagt Ihnen nichts? Macht nichts. Sandro Wagner war bis vor kurzem Fußballprofi. Mittelstürmer. Beim großen FC Bayern München. Und Nationalspieler. Gut, er ist eher der Typ "Ergänzungsspieler", der spielt, wenn die ganz großen Stars geschont werden sollen. Dennoch, von den deutschen Stürmern hat er in der aktuellen Bundesligasaison die beste Torquote.

 

Für Jogi Löw, den Weltmeister-Coach, war das nicht genug. Er hat Sandro Wagner nicht fürs WM-Team nominiert. Und das aus gutem Grund. Löw verfolgt ein klares Konzept zur Teamzusammensetzung, bei dem mehr zählt als nur Leistung. Als Personaler oder Führungskraft im Unternehmen kann man viel davon lernen. 

5 Tipps für eine erfolgreiche Teamzusammensetzung

Als ich selbst in den letzten Jahren als Mitglied der Geschäftsleitung mehrmals vor der Aufgabe stand, neue Mitarbeiter ein- oder Teams zusammenzustellen, haben sich einige der Löw-Kriterien auch im Berufsalltag erfolgreich bewährt.

1. Das "Miteinander" muss passen

Ich merke regelmäßig, wie viel Spaß es macht, mit meinem Team zu arbeiten. Das motiviert und führt ultimativ zu mehr Erfolg. Genau deshalb achte ich sehr darauf, dass jeder neue Mitarbeiter menschlich passt. Kompetenzlücken kann man schließen, Persönlichkeiten aber sind wie sie sind.
Auch Jogi Löw weiß: Topstürmer gewinnen Torjägerkanonen, Teams werden Weltmeister. Die Statistik gibt ihm recht: Nur bei 3 von 20 WM-Turnieren wurde das Team des alleinigen Torschützenkönigs auch Weltmeister.

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2. Ein gutes Team braucht verschiedene Rollen

Jedes Projekt, jede Herausforderung ist individuell. Es sind immer wieder andere Fähigkeiten und Persönlichkeiten, die zum Erfolg führen. Sinnvolle Ergänzung im Team statt zu viel vom Gleichen ist daher das Zauberwort. Deshalb versuche ich immer darauf zu achten, dass jedes Teammitglied „seine“ Besonderheit hat und so das Gefühl bekommt, mit der eigenen Persönlichkeit wertvoll und nicht beliebig ersetzbar zu sein.

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3. Kein Vertrauen. Kein Team. Kein Erfolg.

Miteinander arbeiten braucht Vertrauen. Darauf, dass alle an einem Strang ziehen. Im Vertrauen gesagte Dinge auch vertraulich bleiben. Sich nicht gegenseitig in den Rücken fallen, wenn mal ein Fehler passiert. Entscheidungen auch dann akzeptieren, wenn man selbst anderer Meinung ist. Daher versuche ich in Bewerbungsgesprächen eine Atmosphäre zu schaffen, in der Kandidaten offen und unverstellt sein können. Wer sich darauf einlässt, spielt auch später eher mit offenen Karten. Eine Grundvoraussetzung für Vertrauen.

4. Teamplayer brauchen ein realistisches Selbstbild

Früher oder später kommt es sonst zu Konflikten. Etwa dann, wenn ein Mitarbeiter meint, er sei besser als seine Kollegen, wenn er unrealistische Ansprüche stellt oder auf Feedback nicht eingehen kann. Es hilft nichts, wenn ich als Führungskraft versuche, mich hierarchiefrei in agile Zusammenarbeit einzubringen, wenn sich gleichzeitig ein Mitarbeiter aufspielt und sich mehr herausnimmt als er eigentlich sollte. Oder wie Jogi Löw sagen würde: Der Star ist das Team.

5. Die langfristige Perspektive zählt

Klar, jede Position hat gewisse fachliche Anforderungen, die erfüllt werden müssen. Doch langfristiger Erfolg braucht steten Wandel. Mitarbeiter müssen sich daher entwickeln wollen und können. Die Fähigkeiten zum Zeitpunkt der Einstellung werden mit jedem Monat im Unternehmen weniger wichtig. Daher gebe ich auch Quereinsteigern eine Chance, wenn sie individuelle Stärken mitbringen und glaubhaft die Bereitschaft vermitteln, die fachlichen Mängel aufzuarbeiten.

Nehmen Sie bei der Personalauswahl nicht die Besten, sondern die Passendsten

Zugegeben, die obigen Kriterien lassen sich nicht mal eben mit einem aus dem Internet geladenen Test überprüfen. Vielleicht probieren Sie dennoch bei der nächsten Einstellung einmal aus, auch die obigen Kriterien gezielt zu untersuchen. Natürlich spielt Bauchgefühl dabei eine große Rolle. Doch Situationen, in denen man dieses spürt, kann man gezielt schaffen. Fragen Sie doch nach einem Bewerbungsgespräch den Kandidaten, wie er seinen Auftritt selbst bewertet. Und was er anders machen würde, wenn er es am nächsten Tag nochmal versuchen dürfte. Ich habe das nach einem nur als „desaströs“ zu bezeichnenden Gespräch mal gemacht. Die ehrliche, schonungslose und sehr präzise Selbstkritik des Bewerbers hat mich dazu bewogen, ihm eine zweite Chance zu geben. Der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt. Niemand in der Firma würde den Kollegen heute missen wollen.

PS: Sandro Wagner hatte sich übrigens nach Verkündung seiner Nicht-Nominierung vors nächste Mikro gestellt und beleidigt seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft verkündet. Und dass er wohl zu meinungsstark sei für das DFB-Team. 

Jogi Löw hat bei der Personalauswahl offenbar alles richtig gemacht.

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