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Fürsorgepflicht des Arbeitgebers: (k)ein Selbstläufer?

Jeder Arbeitgeber trägt Verantwortung für seine Arbeitnehmer. Aber wie weit reicht die Fürsorgepflicht?

Jeder Arbeitgeber trägt Verantwortung für seine Arbeitnehmer. Aber wie weit reicht die Fürsorgepflicht?

Der Arbeitsvertrag ist unterschrieben – und somit die rechtliche Grundlage, die das Arbeitsverhältnis bestimmt, festgelegt. Arbeitnehmer und Arbeitgeber gehen damit eine komplexe Rechtsbeziehung ein, die durch eine Vielzahl von wechselseitigen Pflichten und Rechten gekennzeichnet ist. Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers bildet dabei einen zentralen Punkt, doch ist nicht immer klar, worin diese im Einzelfall besteht.

Während sich die arbeitsvertraglichen Hauptleistungspflichten leicht benennen lassen, erscheint es um einiges schwieriger, sich die Nebenleistungspflichten, welche nicht einmal einer konkreten Vereinbarung bedürfen, vor Augen zu führen. Und dabei spielen gerade diese und insbesondere die darunterfallende Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, eine ausgesprochen wichtige Rolle im Arbeitsalltag.

Um etwaige Schadensersatzansprüche des Arbeitnehmers von vornherein auszuschließen, sollten Arbeitgeber daher regelmäßig prüfen, ob sie ihrer Fürsorgepflicht auch nachkommen.

Was ist darunter zu verstehen?

Unter der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers versteht sich ganz allgemein die Verpflichtung, dass der Arbeitgeber Maßnahmen treffen muss, welche die Entstehung eines Schadens oder sonstige Beeinträchtigungen auf Seiten des Arbeitnehmers verhindern.

Was fällt alles darunter?

Angesichts der vielfältigen Arbeitsverhältnisse ist im Grunde keine pauschale Auflistung aller Pflichten des Arbeitgebers möglich. Sie müssen also für jeden Einzelfall gesondert bestimmt werden. Dabei wird auf die Vorschriften des BGB, des Arbeitsrechts und bestimmter Verordnungen, wie zum Beispiel die Gefahrstoffverordnung zurückgegriffen. Besonders zu erwähnen sind das Arbeitsschutzgesetz und das Arbeitszeitgesetz sowie die explizite Hinweispflicht des Arbeitgebers in § 2 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 SGB III.


Bei der Klärung, worin die Fürsorgepflicht im Einzelnen besteht, sollten sich Arbeitgeber generell bewusst machen, dass es vor allem darauf ankommt, die physische und psychische Integrität der Arbeitnehmer zu gewährleisten.

  • Somit muss die körperliche Gesundheit des Arbeitnehmers besonders geschützt werden. Dazu gehört, dass ein sicherer Arbeitsplatz eingerichtet und instand gehalten wird und dass vorsorgliche Maßnahmen getroffen werden, um Gesundheitsschäden zu verhindern. So darf zum Beispiel im Büro nicht geraucht werden und auf einer Baustelle sind Helme zu tragen.

  • Ebenso ist der Arbeitgeber auch verpflichtet psychischen Belastungen vorzubeugen oder diese, falls sie eingetreten sind zu beheben. Es sind daher Konflikte zu lösen (z.B. Mobbing) und Benachteiligungen zu vermeiden.

  • Den Arbeitgeber trifft auch eine allgemeine Sorgfaltspflicht. Er ist verpflichtet die Angelegenheiten insbesondere die Rechte des Arbeitnehmers sorgfältig wahrzunehmen und dabei die Interessen des Arbeitnehmers zu wahren.

  • Daher muss er auch für Schäden an notwendigerweise mitgebrachten Gegenständen des Arbeitnehmers haften.
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Gilt die Fürsorgepflicht auch im Home Office?

Spätestens durch die  anhaltende Pandemie stellt sich nun die Frage, ob die arbeitsrechtliche Fürsorgepflicht sich auch auf die Arbeit im Homeoffice erstreckt. Hier gilt grundsätzlich: Die Verantwortung des Arbeitgebers im Sinne der oben genannten Punkte entsteht völlig unabhängig von dem jeweiligen Aufenthaltsort des Arbeitnehmers und endet somit nicht „an der Haustür“. So hat der Arbeitgeber aufgrund der Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes etwa auch dafür Sorge zu tragen, dass die vorgeschriebenen Arbeits- und Pausenzeiten am heimischen Arbeitsplatz genauso eingehalten werden wie im Betrieb.

Nicht ganz so eindeutig lässt sich die Frage beantworten, inwiefern der Arbeitgeber für Schäden haftet, die der Arbeitnehmer im Homeoffice erleidet. Denn eigentlich stellt ja gerade die Gewährleistung eines sicheren Arbeitsplatzes zum Schutz des Arbeitnehmers vor gesundheitlichen Schäden einen zentralen Aspekt der Fürsorgepflicht dar. Beim Homeoffice besteht nun die Besonderheit, dass es sich dabei, wie der Name schon sagt, um das Zuhause des Arbeitnehmers handelt. Und im juristischen Sinn erscheint es lebensfremd, eine Verletzung, die beispielsweise beim Kochen am heißen Herd entstanden ist, als Arbeitsunfall auf den Arbeitgeber abzuwälzen. Somit beschränkt sich die Verantwortung des Arbeitgebers im Homeoffice vor allem darauf, dass der Arbeitsplatz im engeren Sinne nicht gesundheitsgefährdend ist, also zum Beispiel Schreibtisch und PC-Bildschirm die üblichen Standards erfüllen.

Im Interesse der Rechtsklarheit sollten Arbeitgeber von der Möglichkeit Gebrauch machen, gerade im Fall weitreichender Homeoffice-Regelungen einschlägige Pflichten individualvertraglich zu vereinbaren

Wenn der Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht nicht nachkommt

Bei einer Fürsorgepflichtverletzung kann der Arbeitnehmer gegebenenfalls Schadensersatz oder Gleichstellung mit anderen Arbeitnehmern verlangen. Schadensersatzansprüche bestehen jedoch nur verschuldensabhängig. Zu beachten ist, dass zwar gegebenenfalls das eigene Verschulden des Arbeitgebers (§ 276 BGB) ausscheiden wird, dieser sich jedoch das Verschulden eines seiner Arbeitnehmer im Rahmen der Haftung für Erfüllungsgehilfen nach § 278 I BGB zurechnen lassen muss.

Es kann sich zudem ein gerichtlich durchsetzbarer Anspruch des Arbeitnehmers auf Vornahme oder Unterlassung einer bestimmten Handlung durch den Arbeitgeber ableiten.

Wichtig: Sofern die Verletzung der Fürsorgepflicht darin besteht, dass der Arbeitgeber einen bestimmten Zustand herbeiführt oder aufrechterhält, obwohl ihm dessen Beseitigung möglich wäre, kann der Arbeitnehmer ein Zurückbehaltungsrecht geltend machen. Er kann mithin die geschuldete Arbeitsleistung verweigern, bis der Arbeitgeber die gesetzmäßigen Arbeitsbedingungen hergestellt hat. Dieser gerät in Annahmeverzug und bleibt somit zur Entgeltzahlung verpflichtet.

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