adorable-adult-beautiful-774095 adorable-adult-beautiful-774095

Azubi gut. Alles gut?

Je nach Branche und Region beklagen heute bereits etliche Unternehmen, dass sie keine Auszubildenden finden. Helfen kann hierbei zielgerichtetes Azubimarketing.

Haben Sie all Ihre Ausbildungsstellen für dieses Jahr besetzen können? Nein? Dann geht es Ihnen wie zahlreichen anderen Unternehmen in Deutschland. Schuld an den fehlenden Azubi-Bewerbungen sind vor allem zwei Punkte:

  • Zum einen besteht die Generation, die nun im Alter ist eine Ausbildung zu beginnen aus eher geburtenschwachen Jahrgängen. Das heißt es gibt einfach nicht so viele von Ihnen.
  • Zum anderen steigt die Präferenz der jungen Leute für die Aufnahme eines Studium an. Die Hörsäle sind voll, die Lehrwerkstätten bleiben leer.
Das heißt wo es früher gereicht hat sich auf die ausreichenden Bewerberzahlen zu verlassen müssen sich Unternehmen heute richtig anstrengen um junge Leute für eine Ausbildung zu rekrutieren. Einige Unternehmen haben tatsächlich bereits erkannt, dass es Zeit für etwas Kreativität ist im Azubimarketing. Leider kann das auch schnell nach hinten losgehen. Ich möchte an den „Azubirap“ der Sparda-Bank Südwest erinnern namens „Sparda Movie Stars“ , den einige von Ihnen sicher schon auf YouTube gesehen haben. Diese Aktion ging leider ordentlich nach hinten los und die Sparda Bank hat sich massiv blamiert anstatt neue Bewerber für ihre Ausbildungsstellen zu finden. Damit Ihnen nicht das gleiche passiert haben wir im Folgenden Ideen für Sie, wie Ihnen Azubimarketing wirklich gelingen kann und was einen guten Recruiter ausmacht.

Anhand der sogenannte „Bewerber-Reise“ beschreiben wir den Weg eines Kandidaten vom ersten Kontakt mit dem Unternehmen bis zur Einstellung: 

Azubimarketing_Blog-1

 

Aufmerksamkeit

Die erste (und eventuell auch schwierigste) Aufgabe ist es, junge Bewerber auf das eigene Unternehmen als potenziellen Ausbildungsbetrieb aufmerksam zu machen. Ich denke die üblichen Kanäle für die Anwerbung neuer Azubis sind Ihnen bekannt, wie beispielsweise Ausbildungsmessen oder Veranstaltungen an Schulen in der Umgebung. Studien zeigen allerdings, dass ein nicht zu unterschätzender Faktor im Bereich Aufmerksamkeitsgewinnung die Eltern der zukünftigen Auszubildenden sind. Eltern haben einen relativ großen Einfluss auf die Wahl des Ausbildungsberufs sowie das  Unternehmen für das sich ihre Kinder entscheiden. Das heißt, man sollte auch die Eltern im positiven Sinn auf sich aufmerksam machen, damit sie ihren Einfluss in Ihrem Sinn auf ihre Kinder geltend machen.

Welche Kanäle bieten sich dafür an?
Am einfachsten ist es da natürlich die eigene Belegschaft anzusprechen und die Kinder der Mitarbeiter anzuwerben. Wenn das nicht reicht kann man darüber hinaus ganz wunderbar Werbung für sich machen, indem man die sozialen Netzwerke nutzt. Junge Menschen sind heute kaum noch auf Facebook unterwegs. Und wissen Sie warum das so ist? Weil ihre Eltern dort nun aktiv sind. Und genau die wollen Sie ja erreichen. Das heißt kümmern Sie sich ruhig auch um einen guten Auftritt auf Facebook, auch wenn man meinen könnte die Zeit von Facebook im Recruiting ist überholt.

eBook: So wird Ihre Personalbeschaffung zum Wettbewerbsvorteil

Es bietet sich auch der Einsatz aktueller Azubis im Bezug auf das Anwerben von neuen Mitarbeitern an. Sie können die Vorzüge des Unternehmens und der Ausbildungsberufes am besten hervorheben und werden dabei als authentisch und glaubwürdig wahrgenommen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten die aktuellen Azubis dabei einzusetzen, mögliche Interessenten auf das Unternehmen aufmerksam zu machen. Beispielsweise kann man sie direkt zu den Veranstaltungen an Schulen oder auf Messen mitnehmen. Oder man lädt interessierte Jugendliche in das Unternehmen ein und lässt ihnen von Azubis deren täglichen Arbeitsplatz zeigen.

 

Eine weitere Idee um auf sich als Unternehmen aufmerksam zu machen, sind Kampagnen im Radio oder die altbekannte Plakatwerbung. Diese fokussieren sich auf die Ansprache von lokalen Zielgruppen. Und das ist auch durchaus richtig so, zeigen Untersuchungen doch, dass die meisten jungen Leute eine Ausbildung im näheren Umkreis ihres Elternhauses anstreben. Wenn diese Kampagnen gut gemacht sind können Sie Interesse bei den Bewerbern wecken und sie dazu animieren sich über das Unternehmen zu informieren.

 

Information

Im ersten Schritt wurde die Aufmerksamkeit gewonnen, jetzt muss der erste Eindruck positiv untermauert werden. Das funktioniert gut über umfangreiche Informationen zum Unternehmen als Arbeitgeber und den Chancen die dieses bietet. Bei den Azubis kommt im Vergleich zu anderen Kandidaten außerdem eine spezielle Herausforderung hinzu. Sie wissen meist ob sie eher einen technischen oder einen kaufmännischen Ausbildungsberuf bevorzugen, allerdings oftmals noch nicht welcher Ausbildungsberuf genau es sein soll. Wenn also ein junger Bewerber prinzipiell an ihrem Unternehmen Interesse hat sollten Sie es ihm ermöglichen sich genau über die angebotenen Ausbildungsberufe zu informieren. Und Grundlage für die Informationssuche von Kandidaten ist die Karriereseite eines Unternehmens. Achten Sie daher auf eine ansprechende Gestaltung dieser Seite!

Tipps für die Azubi-Karriereseite:

  • Sie sollten einen eigenen Bereich für den Bereich Ausbildung reservieren um hier die richtige Form der Ansprache zu wählen und Themen anzusprechen die für Azubis relevant sind.
  • Fragen Sie Ihre bestehenden Azubis, welche Themen und Benefits ihnen in Bezug auf ihre Ausbildung und den späteren Arbeitgeber wichtig sind.
  • Platzieren Sie diese Themen passend zu ihren Stärken auf der Karriereseite
  • Lassen Sie aktuelle  Azubis zu Wort kommen, das schafft Authenzität und damit Vertrauen.
  • Untersuchungen zeigen übrigens, dass jungen Leuten vor allem das Thema Sicherheit, Gehalt und Work-Life Balance wichtig ist!

Auf dem Azubi-Bereich der Karriereseite können Sie Bewerbern auch „spielerisch“ die Möglichkeit der Informationssuche geben. Beispielsweise in Form eines Fragebogens der nach Interessen sowie Stärken und Schwächen fragt um dann passende Ausbildungsberufe auf dieser Basis vorzuschlagen. Oder sie verpacken die Informationen zu ihrem Unternehmen und den Möglichkeiten der Ausbildung in einen virtuellen Rundgang über das Betriebsgelände. Kandidaten können dann bestimmte Bereiche virtuell „betreten“ und bekommen detaillierte Informationen zu diesen. Das erweckt einen reellen Eindruck der zukünftigen Arbeitsumgebung.

Sehr gut kommt Umfragen zufolge bei Bewerbern darüber hinaus auch die Möglichkeit eines Probearbeitstages an. Gerade wenn Schulabgänger unsicher sind welchen Weg sie einschlagen sollen kann ein Probearbeitstag eine tolle Gelegenheit sein um herauszufinden welche Ausbildung und welches Unternehmen zu einem passt. Dabei haben sie natürlich auch wieder die Möglichkeit, mit aktuellen Azubis und den zukünftigen Ausbildern in Kontakt zu kommen. Das schafft eine vertrauensvolle Basis und zeigt, dass sie nichts zu verbergen haben.

 

Bewerbung

Bei der Bewerbung gilt, je kürzer, einfacher und schneller sich ein Kandidat bewerben kann, desto besser. Hier gibt es keine großen Unterschiede zu den Bedürfnissen von „herkömmlichen“ Bewerbern. Im Idealfall sollte die Sichtung der Stellenanzeige sowie die Onlinebewerbung selbst in der heutigen Zeit mobil optimiert sein. Viele junge Menschen und Bewerber recherchieren fast alles nur noch mit dem mobilen Endgerät, sei es nun im privaten oder im beruflichen Umfeld. Das gilt also auch für Stellenanzeigen. Wenn es dann nicht möglich ist sich mobil zu bewerben hat man einen Bruch, da Bewerber für die Bewerbung das Gerät wechseln müssen.

Azubimarketing_Auszubildende

Unternehmen sollten zusätzlich darüber nachdenken, verschiedene Bewerbungsformulare für Azubis und für „normale“ Bewerbung zu verwenden. Denn während man eine Fachkraft sehr gut nach den bisherigen beruflichen Stationen fragen kann oder nach dem erwarteten Jahresgehalt macht das bei Schulabgängern ohne nennenswerte Berufserfahrung und mit einem fix definierten Ausbildungsgehalt wenig Sinn. Das Leitmotiv für die Bewerbung selbst sollte also sein:

  • kurzer Eingabeprozess
  • übersichtliches Bewerbungstemplate
  • fleible Anpassung  an die jeweilige Zielgruppe


Auswahl

Bei der Auswahl kommt es vor allem auf einen essenziellen Punkt an: Schnelligkeit. Wie ich anfangs erwähnt hatte: es gibt nicht mehr so viele junge Menschen wie in den vergangenen Generationen und viele dieser Absolventen entscheiden sich gegen eine Ausbildung. Das hat zur Folge, dass es nur sehr wenige gute Bewerber für Ausbildungsstellen gibt. Diese potenziellen Kandidaten schauen sich in der Regel nicht nur bei einem Unternehmen nach Möglichkeiten der Ausbildung um, sondern verschicken gleich mehrere Bewerbungen an unterschiedliche Unternehmen los. Wenn Sie also Pech haben und recht lange für den gesamten Bewerbungsprozess benötigen hat der Bewerber also im schlechtesten Fall schon einen Ausbildungsvertrag unterschrieben während bei Ihnen der Ausbildungsleiter noch die Unterlagen prüft.

Wie sieht eine passende Ansprache aus?
Neben der Schnelligkeit in Bezug auf die Kommunikation mit dem Bewerber ist die Art der Ansprache wichtig. Unternehmen gehen fälschlicherweise häufig davon aus, dass sie die Art ihrer Kommunikation mit den Azubis „modernisieren“ müssen. Das ist allerdings ein Trugschluss. Es stimmt, dass im privaten Bereich hauptsächlich über WhatsApp kommuniziert wird. Im Bewerbungsprozess möchten die Absolventen allerdings nicht über diesen Dienst kontaktiert werden. Das macht auf sie eher einen unseriösen Eindruck und es ist ihnen tatsächlich immer noch am liebsten klassisch über Mail oder das Telefon kontaktiert zu werden. Hier wird also eine Trennung zwischen der privaten und der beruflichen Art der Kommunikation gewünscht. Außerdem sollten sie sich auch anschauen, wie sie junge Bewerber ansprechen und ob Sie diese eventuell Duzen möchten in Ihrer E-Mail Kommunikation. Es wäre in jedem Fall empfehlenswert nicht die selbe Ansprache zu verwenden, die Sie üblicherweise bei den Fach- und Führungskräften verwenden.

Keine Geheimnistuerei!
Wichtig ist in jedem Fall während des gesamten Bewerbungsprozesses Transparenz zu leben und diese entsprechend auch zu vermitteln. Informieren Sie die Bewerber über das Unternehmen ausreichend wenn diese vor Ort sind, lassen sie diese mit aktuellen Azubis sprechen wenn gewünscht und bieten sie gerne wie bereits erwähnt Probearbeitstage an. Außerdem ist es wichtig, dass junge Bewerber zu jederzeit den aktuellen Status der Bewerbung kennen und über die nächsten Schritte informiert sind. Das festigt den Eindruck eines organisierten und strukturierten Vorgehens und vermittelt das Gefühl der Wertschätzung gegenüber des Bewerbers. Dies kann im späteren Verlauf der Bewerbung durchaus hilfreich sein, damit sich ein Absolvent für Sie als Arbeitgeber entscheidet.

Neuer Call-to-Action (CTA)

Einstellung

Wenn es zu einem positiven Feedback von beiden Seiten kommt, Unternehmen und Bewerber, steht einer Einstellung theoretisch nichts mehr im Weg. Bedenken Sie bei der Einstellung eines Auszubildenden daran, es ist in der Regel der erste Arbeitsvertrag den dieser zu Gesicht bekommt. Erklären Sie also alle Punkte entsprechend gut, umfangreich und verständlich, damit sich der Azubi von Anfang an gut aufgenommen und aufgehoben fühlt. Und versuchen Sie außerdem mit den zukünftigen Azubis auch nach Unterzeichnung des Vertrags noch in Kontakt zu bleiben. Lassen Sie die Zeit zwischen Unterzeichnung des Vertrags und Arbeitsbeginn nicht einfach verstreichen sondern überlegen Sie sich ein sinnhaftes Onboarding Programm für die zukünftigen Mitarbeiter. Das stärkt schon vor dem ersten Arbeitstag die Bindung zwischen Unternehmen und Mitarbeiter. Aus den Augen aus dem Sinn ist hier nicht der richtige Weg.

Wenn Sie nun an der ein oder anderen Stelle gedacht haben: stimmt an diesem Punkt können wir uns noch verbessern, packen Sie es an! Die nächste Runde der Azubiauswahl steht vor der Tür und eines ist sicher: die Lage auf dem Azubimarkt entspannt sich nicht, sondern wird im Zweifelsfall noch angespannter.

 

Wenn Sie weitere Ideen oder Hilfe bei den vorgeschlagenen Maßnahmen benötigen wenden Sie sich gerne an uns.