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HR-PRAXIS

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Deshalb sollten Sie diesen Artikel lesen:

Der klassische Nine-to-Five-Job ist out. Immer lauter wird der Ruf nach flexiblen Arbeitszeitmodellen und dem Wunsch der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Arbeitgeber müssen dieser Entwicklung immer mehr Aufmerksamkeit schenken, denn hohes Gehalt und Boni sind lange nicht mehr so gefragt wie eine gute Work-Life-Balance.

Employ-Redaktion

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An die Arbeit, fertig, los!

Bei Mitarbeitern und Bewerbern erfolgreich punkten: Wie Sie flexible Arbeitszeitmodelle richtig einsetzen und vermarkten

"Wenn ich heute noch bei meinem alten Arbeitgeber wäre? Ich wäre erst um 19 Uhr zuhause, hätte noch nicht eingekauft und hätte keinerlei Ausgleich für mich selbst.“ erzählt uns die Mitarbeiterin aus der Personalabteilung.

Von Flexibilität wollte dort niemand etwas wissen. Sie entschied sich für einen Wechsel des Arbeitgebers und genießt heute die Vorzüge flexibler Arbeitszeiten, die ihr das neue Unternehmen bietet.

Der Fall zeigt: Flexible Arbeitszeitmodelle sind weit mehr als nur ein Mittel zum Bürokratieabbau. Sie sind vielmehr eine Voraussetzung zur Gewinnung, Bindung und Motivation guter Mitarbeiter. 

Flexible Arbeitszeitmodelle bieten Mitarbeitern einen höheren Grad an Selbstbestimmung

Mehr Flexibilität und Freiheit in der Gestaltung ihrer Arbeit – das wünschen sich zunehmend die Bewerber und Mitarbeiter. Im Kern geht es dabei um eine gute Vereinbarkeit der Arbeit mit dem Privatleben. Die Freiheit zu haben, auch mal am Freitagmittag das Büro zu verlassen, um das verlängerte Wochenende in einer europäischen Metropole verbringen zu können. Oder auch mal mit dem Laptop von der eigenen Terrasse arbeiten zu können und damit für einen Tag dem zeitraubenden Berufsverkehr zu entgehen.

Können es sich Unternehmen leisten, diesem Trend zu widerstehen? Wohl kaum, denn Bewerber und Mitarbeiter achten bei der Stellenwahl immer stärker auf die Arbeitsbedingungen. Sie sollen den eigenen Lebensstil unterstützen anstatt ihn zu erschweren.

Familiäre Verpflichtungen können nicht vernachlässigt werden

Der Wunsch nach mehr Spielraum bei der Zeiteinteilung ist jedoch nicht nur getrieben vom Bedürfnis nach einer erfüllten Freizeit. Flexible Arbeitszeitmodelle helfen Mitarbeitern auch, ihren familiären Verpflichtungen nachzukommen. Das wird umso wichtiger, wenn beide Elternteile arbeiten:

  • Wenn der Kindergarten anruft, weil das eigene Kind krank ist und früher abgeholt werden muss.
  • Wenn die eigenen Eltern erkranken und zum Arzt gebracht werden müssen.

Ereignisse wie diese gehören zum Leben, und sie nehmen keine Rücksicht auf unsere Arbeitszeiten. Der Konflikt zwischen privaten und beruflichen Verpflichtungen kann für Mitarbeiter zermürbend sein und auch ihre Leistung negativ beeinflussen.

Wer jedoch familiäre Verpflichtungen wahrnehmen kann, ohne dafür Urlaubstage opfern zu müssen, der hat eine große Sorge weniger. Das zeigt auch der folgende Kommentar einer Mitarbeiterin: „Ich kann allen gerecht werden“, erzählt uns die Kollegin mit Erleichterung und Stolz. Sie pflegt Zuhause ihren dementen Vater und übernimmt im Beruf als Assistentin anspruchsvolle Aufgaben. Das gute Gewissen und der verständnisvolle Umgang ihres Arbeitgebers mit ihrer privaten Situation haben der Mitarbeiterin Auftrieb gegeben: „Ich liebe es, ins Büro zu gehen“.

Im Wettbewerb ganz vorne – dank flexibler Arbeitszeitmodelle

Flexible Arbeitszeiten bieten auch für Unternehmen handfeste Vorteile, und zwar über den Wegfall von administrativen Aufwänden hinaus. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern eine flexible Arbeitszeitgestaltung ermöglichen, bleiben auch langfristig für talentierte Bewerber interessant.

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Die Eigenverantwortung bei der Zeiteinteilung stärkt zudem das wirtschaftliche Denken der Mitarbeiter. Wer nicht auf Basis der Anwesenheitszeit bezahlt wird, überlegt sich schließlich genau, wie er die an ihn gestellten Aufgaben möglichst effizient erledigt.

Flexible Arbeitszeitmodelle unterstützen zudem viel eher die heutigen Tätigkeitsformen in Unternehmen als starre Modelle. Viele Mitarbeiter verrichten vorwiegend geistige Arbeit: Ein Entwickler brütet über einem Algorithmus, ein Ingenieur entwickelt ein Simulationsmodell, ein Designer macht sich Gedanken zur User Experience. Bei solchen Tätigkeiten ist man nicht jede Stunde gleichbleibend produktiv. Flexible Arbeitszeiten erlauben es den Mitarbeitern, ihre Tätigkeit in ihre produktivste Tagesphase zu legen.

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Typische Stolperfallen bei der Einführung

Der Wechsel von starren zu flexiblen Arbeitszeitmodellen stellt Unternehmen durchaus vor einige Herausforderungen.

Zum einen lassen sich flexible Arbeitszeiten nicht in allen Abteilungen gleichermaßen umsetzen, obwohl dies im Sinne der Gleichbehandlung der Mitarbeiter wünschenswert wäre. So ist der Kundendienst eines Unternehmens auf feste Anwesenheitszeiten seiner Belegschaft angewiesen. Sind keine oder nicht genügend Support-Mitarbeiter verfügbar, leidet darunter am Ende die Kundenzufriedenheit.

Auch die Team-Zusammenarbeit wird auf die Probe gestellt, wenn Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten plötzlich frei wählen können. Gerade in Projektsituationen muss beispielsweise oft schnell reagiert werden. Ist der benötigte Mitarbeiter jedoch nicht im Büro, führt dies nicht selten zu Missstimmung.

Weiterhin müssen sich Unternehmen bei der Einführung flexibler Arbeitszeit auf Akzeptanzprobleme einstellen. Manche Kollegen begegnen der Flexibilisierung mit Skepsis. Sie sind besorgt, dass durch den Wegfall der Zeitmessung der unbezahlten Mehrarbeit nun Tür und Tor geöffnet werden. Andere fragen sich: „Wie zeige ich dem Chef meinen Wert, wenn nicht durch meine Anwesenheit im Büro?“.

All diese Herausforderungen können jedoch überwunden werden. Nachfolgend haben wir einige Tipps für Sie zusammengestellt.

So werden Skeptiker zu Fans: 4 Tipps zur erfolgreichen Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle

Mit gutem Beispiel vorangehen

Vorgesetzte sollten mit gutem Beispiel vorangehen und selbst von ihrer zeitlichen Flexibilität Gebrauch machen. Verlässt der Chef auch mal um 16 Uhr das Büro, um mit seinen Kindern zu spielen, wirkt dies authentisch und stärkt das Vertrauen der Mitarbeiter in ihr Unternehmen.

Auf die Lebenssituation der Mitarbeiter eingehen

Die Skepsis gegenüber zeitlicher Flexibilisierung kann überwunden werden. Dazu müssen die Mitarbeiter spüren, dass sich ihre Arbeit tatsächlich besser mit ihrer persönlichen Lebenslage vereinbaren lässt. Nicht jeder Mitarbeiter hat jedoch den Mut, seine Lebenssituation gegenüber dem Chef anzusprechen. Vorgesetzte können das Gespräch anregen und ihre Mitarbeiter zum offenen Umgang mit den eigenen Lebensumständen ermutigen.

Zusammenarbeit neu lernen

„Wir haben Dich im Meeting vermisst. Wo warst Du denn?“: Mitarbeiter müssen lernen, sich mit Kollegen und Vorgesetzten abzustimmen, damit derartige Überraschungen ausbleiben. Dies erfordert jedoch eine gewisse Zeit. Einfache Kommunikationsmittel wie eine E-Mail an das Team oder ein Kalendereintrag über die geplante Abwesenheit genügen jedoch, damit jeder über die Verfügbarkeit des anderen im Bilde ist.

Den Kulturwandel aktiv angehen

Flexible Arbeitszeitmodelle funktionieren nur in Kombination mit einem zielorientierten Führungsstil. Zielorientierte Führung wiederum verlangt von Vorgesetzten ein starkes Vertrauen in ihre Mitarbeiter. Nicht in allen Unternehmen ist diese Vertrauenskultur gleichermaßen ausgeprägt. Es macht daher Sinn, die Umstellung des Arbeitszeitmodells zu mehr Flexibilität mit Maßnahmen zur Herstellung und Förderung einer Vertrauenskultur zu kombinieren.