Positive Emotionen - Positive Psychologie

Welche Rolle haben positive Emotionen - für uns persönlich aber auch am Arbeitsplatz?

Warum haben Menschen Emotionen und welchen Zweck erfüllen sie? Die Expertin Saskia Rudolph gibt uns einen Überblick über den ersten Baustein des PERMA-Modells und zeigt uns den Zusammenhang zu der Arbeitswelt auf.

Über den Interview-Gast

Saskia Rudolph

Saskia Rudolph, Expertin für Positive Psychologie

Saskia Rudolph, Inhaberin der Spiegelneuronen GmbH und Expertin für Positive Psychologie, teilt in unserer VLog-Reihe ihre Expertise rund um das Thema "Glücksforschung" und den Zusammenhang mit der Arbeitswelt. 

Saskia Rudolph: Herzlich willkommen zum ersten „Baustein“ im PERMA-Modell, auf dem unsere Positive Leadership und Wellbeing @ work V-Log Reihe aufgebaut ist. Wie in der letzten Folge schon beschrieben, steht das P für Positive Emotionen. Und um genau die wird es jetzt gehen. Wenn Sie mehr über das ganze PERMA-Modell und Positive Psychologie wissen möchten, schauen Sie gerne einfach in das entsprechende Video.

Die erste Frage, die sich stellt, wenn wir über Emotionen reden, ist natürlich, warum haben wir eigentlich Gefühle haben.  

Also zunächst einmal: Emotionen machen uns menschlich. Sie zeigen uns selbst und anderen Bedürfnisse an, regen zum Handeln an und sind ein wichtiges Kommunikationsmittel. Wichtig zu wissen: Es gibt keine „guten“ oder "schlechten“ Gefühle. Alle Gefühle haben ihren Sinn: Angenehme Emotionen helfen uns Zusammenhänge zu erkennen, den Überblick zu behalten, zukunftsgewandt zu denken und das Gefühl zu haben “auf richtigem Weg zu sein“. Außerdem sind sie – nicht nur im Unternehmenskontext – wichtig für Strategieentwicklung, Kreativität, soziale Bindungen und das Erkennen unserer Stärken.  

Als Gegenpart dienen unangenehme Emotionen dem analytischen Denken, sie fokussieren die Aufmerksamkeit, helfen beim Analysieren von Fehlern und Lösen. 

Allesamt also wichtige Aspekte, auch und vor allem im Arbeitsalltag.  

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Doch: wie soll ich meine Gefühle kommunizieren? 

Zunächst Mal: das Zeigen von Gefühlen, seien es positive oder negative hat immer einen Effekt: wir stecken unsere Umgebung mit unseren Emotionen an. Steigt ein Gefühl in uns auf, sollten wir also zunächst Mal durchatmen und hinterfragen, in welchem Zustand wir uns gerade befinden.

Alarmstufe rot, also Hochspannung zeigt – unsere Gefühle kochen über, wir sollten sie also zunächst nicht zeigen, sondern etwas „runterregeln“. Im mittleren gelben Bereich gilt es, die eigenen Gefühle zu analysieren und ihnen dann passend Ausdruck zu verleihen. Je nach Gefühl und Gegenüber kann das ganz unterschiedlich aussehen – das sollten wir bedenken. Die letzte - grüne – Stufe ist die Stufe der Entspannung – wir haben unsere Gefühle im Griff und können gut mit ihnen umgehen. Diese Phasen durchlaufen wir immer wieder. Heißt: am schlausten ist es, in einem 4-er Schritt vorzugehen:

  1. Die Emotion wahrnehmen
  2. Die eigenen Impulse beobachten und ggfs. die Reaktion noch verzögern
  3. Eine Auswahl passender Reaktionen treffen
  4. Und wirklich erst dann: Handeln 

Bei den Emotionen anderer, die manchmal auch plötzlich und unerwartet auf uns einwirken, gilt eigentlich der gleiche Ablauf wie für unsere eigenen Gefühle. Zunächst wahrnehmen, dann die eigenen Impulse beobachten und überlegen, ob eine ad-hoc Reaktion sinnvoll ist, dann abwägen, welche Reaktionen die geeigneten wären – und erst dann – reagieren. Und sich dabei aber stets bewusst sein: wir sind alle nur Menschen und manchmal, da geht’s einfach drunter und drüber mit unseren Gefühlen. Dann dürfen sie auch Mal raus.  

Außerdem gibt es einen großen Unterschied zwischen Empathie, Sympathie und Mitgefühl. Stellen Sie sich Mal ganz bildlich vor, Ihr Kolleg*in ist in ein Loch gefallen. Sie schauen hinunter und drücken Ihr Mitgefühl aus, indem Sie sagen: „Oh nein, was machst du da unten, das muss ja schrecklich sein!“ – oder, zweite Reaktion, Sie drücken ihre Sympathie aus: „Hach ja, so’n Loch, das kann schon Mal passieren. Wissen Sie, ich bin auch Mal in ein Loch gefallen, ich weiß, wie du dich fühlst.“ 

Merken Sie was? Keine der beiden Verhaltensweisen hilft der Person aus der Grube. Was wirklich hilft, ist Empathie: nämlich, sich in die Gefühlswelt des anderen hineinzuversetzen, dessen Emotionen anzuerkennen und gemeinsam eine Lösung zu finden, wie der/die Arme aus dem Loch kommt. Sich also nicht mit hinunterreißen zu lassen, sondern eine Leiter zu holen. Und dieses bildhafte Beispiel lässt sich so auf den Arbeitsalltag übertragen: Erkennen Sie die Emotionen Ihres Gegenübers an und versuchen Sie gemeinsam, Lösungen zu finden.  

Überhaupt ist gute Kommunikation der Schlüssel im gelingenden Miteinander. Wie diese auch in schwierigen Situationen gelingt, erkläre ich Ihnen an einem konkreten Beispiel im nächsten Vlog. 

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