Portrait Max Görner

Jetzt hören

Podcast

Episode

26

Interview mit Transformationsberater Max Görner

Purpose - Mehr als ein Buzzword

Purpose - für die einen die Lösung für gefühlt alles, von anderen als die nächste heiße Luft abgetan. Egal wie man zum Begriff steht, dahinter steckt mehr.

In der Sache nüchtern, in der Emotion leidenschaftlich, erzählt Transformationsberater und Buchautor ("Business Warrior") Max Görner, was dahinter steckt, was sein persönlicher Purpose ist, wieso jedes Unternehmen einen hat, auch wenn sich die Mitarbeitenden dem oft nicht bewusst sind, und wie man ihn auch ändern kann.

Im Ergebnis wird klar. Purpose als Wort ist genau das, ein Wort. Aber was damit gemeint ist, ist weit von heißer Luft entfernt und kann tatsächlich einen Unterschied machen, wenn man sich dem Ganzen bewusst macht. Ob man es dann Purpose nennt oder nicht.

Über unseren Interview-Gast

portrait-max-goerner_558x314_komprimiert_image_text_desktop

Max Görner

Max Görner ist Senior Director bei der Managementberatung Allfoye. war aber auch schon Krav Maga Instructor, ist Buchautor ("Business Warrior") und hat das gleichamige Coaching-Programm entwickelt, mit dem er seinen Kunden und ihrem Umfeld zu mehr innerer Ruhe, Selbstbewusstsein und Erfolg verhilft.

Dominik Josten: Hallo und herzlich Willkommen im HR HEUTE Podcast. Heute geht es um die Frage, was treibt uns eigentlich an als Mitarbeiter im Unternehmen, als Unternehmen als Ganzes? Was ist, um das Schlagwort hier gleich mal aufzugreifen, unser Purpose, das 'Wofür eigentlich' des Unternehmens? Also jenseits des Offensichtlichen, des Geld verdienens. Wir haben es schon an anderer Stelle hier im Podcast und auch in verschiedenen Videos auf HR HEUTE mit der Frage beschäftigt 'Was macht Mitarbeiter eigentlich zufrieden?'

Und ein zentraler Baustein war dabei oft, den Sinn der eigenen Arbeit zu verstehen. Warum mache ich das, was ich mache und warum genau so? Noch eine Ebene höher stellt sich diese Frage auch für das Unternehmen als Ganzes. Was ist eigentlich die treibende Motivation unseres Unternehmens und unser Beitrag an die Gesellschaft, die Welt, die Menschheit. Was macht uns besonders?

Welches Ziel verbindet uns alle? Und was, wenn wir ein solches nicht haben? Wenn wir die klare Motivation unserer Gründer, Besitzer oder der Führung, einfach nur ist, Geld zu verdienen? Der ganze Themenkomplex, der zuletzt oft unter dem englischen Begriff Purpose diskutiert wird, stößt durchaus auf kontroverse Meinungen. Für die einen ist es der ultimative Schlüssel für Identifikation, Motivation und damit Erfolg. Für andere aber auch nur ein vielleicht ein bisschen hochnäsiges Geschwätz, mit dem sich manche Unternehmen als wertvoller oder wichtiger darstellen wollen als andere. Und ihr letztlich genauso egoistisch gewinnorientiertes Verhalten als Beitrag am Gemeinwohl verkaufen wollen.

Darüber wollen wir heute reden. Und für dieses Thema habe ich heute wieder einen tollen Gesprächspartner gefunden. Er beschäftigt sich nicht nur beruflich als Berater der Transformations und Kultur Beratung Allfoye mit dem Thema, sondern auch persönlich bei sich selbst.

Er ist aber einer dieser Kollegen, die man eigentlich gerne so richtig doof finden würde. Denn im direkten Vergleich fühlt man sich schnell schlecht, wenn er mal wieder davon erzählt, wie er monatelang morgens zwischen sechs und sieben eine Fokus-Stunde fürs schreiben seines Buches eingelegt hat, bevor er nach ein paar Krav Maga Übungen bestens gelaunt zum Kunden gefahren ist, während man selbst vor acht nicht so richtig in die Gänge kommt. Es ist unerträglich, diese Selbstdisziplin.

Dummerweise ist er dabei aber viel zu nett, so dass der heimliche Neid letztlich doch irgendwie in Anerkennung umschlägt und ich mich daher sehr darauf freue, mich heute mit ihm auszutauschen. Und damit ein ganz herzlich Willkommen an Max Görner Hallo Max, schön, dass Du da bist.

Über Max Görner

Max Görner: Hi Dominik, vielen Dank, dass ich heute dabei sein darf. Ich freue mich sehr.

Dominik Josten: Du. Ich mich auch. Und ich finde das ja tatsächlich beeindruckend, was du so alles tut und machst. Und deswegen glaube ich, bist Du genau der Richtige, um heute mal so ein bisschen darüber zu reden und vielleicht auch dem einen oder anderen ein bisschen Inspiration zu vermitteln.

Max Görner: Ach du, das mache ich total gerne, weil es eins meiner Herzensthemen ist. Also dieser ganze Themenkomplex Purpose. Aber da muss ich auch gleich mal direkt was einfangen, nämlich dieses hohe Maß an Selbstdisziplin, das du mir unterstellt hast. Also einer der Gründe, warum mich Purpose auch selbst so interessiert und warum ich da schon seit Jahren hinterher bin, ist, weil ich mit dem Thema auch stark zu kämpfen habe und mich dann immer wieder in Situationen, wo ich denke ‚wie geht es denn jetzt weiter‘?

Ich habe eigentlich keine Lust aufzustehen oder noch mal diese extra Meile zu gehen, die überall und immer eingefordert wird. Genau dann waren es Momente, wo ich dachte, was gibt es denn da jetzt nicht nur für mich als Person, sondern auch für Unternehmen, dass uns da helfen kann in, ja, Hoch-Belastungssituationen, aber manchmal auch einfach, wenn es darum geht, man hat zwei Optionen und fragt sich ‚Mache ich A oder B?‘, Was ist der Nordstern und wie komme ich da denn überhaupt hin? Und so habe ich zum Thema Purpose gefunden.

Dominik Josten: Spannend. Und es hat ja auch offensichtlich ganz gut funktioniert, weil das Buch ist ja draußen, aber da kommen wir gleich noch zu. Vielleicht vorher noch mal kurz zu dir, weil ich habe jetzt schon ein paar Worte über dich gesagt, aber dich noch nicht so wirklich vorgestellt eigentlich. Also hauptberuflich berät du Unternehmen in Kultur und Transformations-Fragen, wie eben dem Purpose, soweit korrekt?

Max Görner: Ja, fast richtig. Wir haben sogar noch ein paar Facetten zusätzlich. Max Görner war hundert Prozent korrekt, der Name.

Dominik Josten: Ist ja schonmal ein Anfang.

Max Görner: Das finde ich auch *lacht*. Herkunft, Allfoye Management Beratung, damit sind wir auch Teil der all for one Group, und wir sind eine Strategie- und Transformations-Beratung, und das heißt wir unterstützen Kunden a) natürlich bei der Strategiefindung, wie der Name schon sagt, b) aber dann vor allem auch auf dem Weg dahin und c) dann auch bei der Gestaltung dessen, was man dafür in der Organisation eigentlich braucht. Also Aufbau, Ablauf, Organisation. Und da sind wir auch bei dem Punkt, den du gerade genannt hast, nämlich das Thema Kultur.

Und da das auch schlicht unsere Rolle, oder sagen wir auch unser Purpose, muss man schon wirklich sagen an der Stelle, ist, dass wir unseren Kunden dabei helfen wollen, ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht nur zu sichern, sondern auch zu steigern. Das heißt, wir sind natürlich auch immer mit offenen Augen unterwegs und prüfen, welche Themen es gibt, um nicht nur die Organisation als Ganzes, sondern auch die Menschen darin zu befähigen, den nächsten Schritt zu tun, wie der auch immer für das jeweilige Unternehmen aussieht.

Und das wiederum ist auch der Link zum Purpose oder warum wir uns daneben neben vielen anderen aktuellen Themen wie auch Nachhaltigkeit oder generell partizipative Unternehmensstrategie New Work auch vor allem mit dem Thema Purpose beschäftigen, weil es für uns schon ein Kleber oder Transmissionsriemen zwischen vielen anderen Themen an der Stelle auch einfach ist.

Typische Kundenfragestellungen im Thema Purpose

Dominik Josten: Dann…wie muss man sich das denn jetzt vorstellen, wenn man konkret mal ein Thema bleibt, was sind dann so für Fragen oder Sorgen oder Erwartungshaltung, mit denen Kunden auf dich zukommen? Also kommen die, rufen die an und sagen „Herr Görner, ich habe den Sinn meines Unternehmens verloren. Können Sie mir helfen?“, oder wie muss man sich das vorstellen? Warum und womit kommen die Leute zu Dir?

Max Görner: Ja, du hast es vorhin so schön gesagt, nämlich dieses Beispiel, wenn zum Beispiel über den Zeitverlauf die Ideen oder Gedanken der Gründungsteams oder der Familie, die mal das Unternehmen gegründet hat, so ein Stück weit weg erodieren, weil das Unternehmen immer weiter wächst. Die Personen werden älter, vielleicht übergibt man es ein, zwei Generation, dann kommt in so einem Familienunternehmen, das ist mal eine Variante, schon die Frage auf ‚Wofür gibt es uns denn an der Stelle noch und was ist unser Beitrag?‘

Diese Frage wird spannenderweise aber nicht nur von jungen Kolleginnen und Kollegen gestellt, wie es aktuell auch oft unterstellt wird, sondern es sind viele Kolleginnen und Kollegen aller Altersgruppen, aller Tätigkeitsfelder, die sich diese Frage stellen und darauf wollen und müssen die Unternehmen dann eine Antwort finden.

Das zweite ist aber auch gerade und das ist stark. Noch mal getrieben durch Corona, die große Sorge vor digitalen Söldnern. Also dieser Begriff stammt nicht von mir, auch wenn man jetzt, wir kommen ja nachher noch aufs Buch, meinen könnte, diese martialische Sprache sei wieder mal meine. Nein, ist sie nicht.

Digitale Söldner beschreibt im Fachjargon im Endeffekt Menschen, die in ein Unternehmen kommen, die dann nur eine bestimmte Zeit bleiben, nämlich so lange, wie sie Geld verdienen und dann auch wieder gehen. Das heißt, was ihnen abgeht, ist das Thema Bindung zum Unternehmen. Und gerade diese Bindung ist aber ein - also gibt es auch verschiedene Studien dazu - enormer Erfolgsfaktor dafür, dass Unternehmen nicht nur a die richtigen Mitarbeiter finden, b sondern die auch halten, c richtig gute Produkte entwickeln und d, die auch spannend am Marktplatz agieren und e sogar fast ohne Prozesse vertreiben.

Also klar gibt es da eine Prozess-Struktur, aber es passiert dann auch schlicht, dass diese Menschen so überzeugt sind vom Unternehmen, dass sie schon die richtigen unternehmerischen Handlungsvorschläge machen und die dann auch einfach umsetzen. Und das sind gerade so die zwei großen, wobei in den letzten Wochen… deswegen spannend, dass du die Frage stellst… stelle ich auch fest, dass viele Unternehmen gerade an so einem Punkt sind, das hat mit Corona zu tun, aber auch mit dem Thema Nachhaltigkeit, an dem sie sich schon überlegen, gibt es ein Weiter so? Also wollen wir und wollen wir einfach uns evolutionär weiterentwickeln oder durch die neuen Vorgaben, die es an Unternehmen gibt oder geben wird, ist es nicht der Zeitpunkt sich neu aufzustellen. Man nennt es auch den Bifurkationspunkt in der Theorie.

Und um das für sich zu beantworten, ist man natürlich ganz schnell bei der Frage nicht nur ‚Womit verdienen wir Geld?‘ sondern ‚Warum gibt es uns denn eigentlich und warum sollte es uns dann auch noch in Zukunft geben? Und für wen tun wir das ganze?‘

Max Buch "Business Warrior"

Dominik Josten: Hmm, jetzt bevor wir da jetzt näher einsteigen, weil ich finde einen Punkt schon noch ganz spannend, einfach auch zu dir, damit man das so ein bisschen einordnen kann, woher du kommst. Du hast ja auch schon erzählt, du hast auch mit diesem, ja, Purpose Thema, diesem Sinn, diesem Antriebs-Thema natürlich auch selbst zu kämpfen, immer mal wieder, wie wahrscheinlich jeder von uns, das beruhigt mich ja schon gleich ein bisschen, kann ich ruhiger schlafen, dass es nicht nur mir so geht. Das heißt also, dich treibt dieses Thema ja Leidenschaft, vielleicht auch ein bisschen Selbstoptimierung, aber eben auch dieser Umgang, Du sagtest schon, mit Stress, mit Belastung, ja doch mehr um als einfach nur in deinem Job. Ja, du hast ja eben, in deiner Freizeit muss man sagen, ein Buch geschrieben, das, Du hast es schon angedeutet, einen kleinen, etwas martialischen Namen trägt den ‚Business Warrior‘. Aber ich weiß nicht, wie dein Gedanke ist, kannst Du gleich erzählen, für mich hat es ein bisschen so eine…wirkt es wie so eine Anspielung auf diese vielen, oft ja auch inneren Kämpfe und Konflikte, die man irgendwo also mit sich selbst fichet. Ob es die Belastung ist oder auch der eigene Anspruch, vielleicht auch mal die Mitbewerber irgendwo im innerhalb außerhalb Unternehmen, das ist eigentlich mein Freund, mein Kumpel, aber wir wettbewerben um die gleiche Stelle, und das sind ja alles auch Stressfaktoren und so Dinge, wo man mit sich selbst so ein bisschen kämpft. Was will man, so hab ich es jedenfalls verstanden, aber ohne dass wir jetzt gleich zum literarischen Duett werden hier an der Stelle, aber wieso war es genau dieses Buch, was war so dein Purpose, dein Antrieb, genau dieses Buch zu schreiben. Kannst du das so ein kleines bisschen mal an erzählen?

Max Görner: Ja, sehr gerne. Also auch da. Du bist der Erste, dem das zumindest im Gespräch mit mir so aufgefallen ist, also das Business Warrior nicht nur darum geht, dass ich „kämpfe“, oder auch ich habe im Buch geschrieben „auf das unternehmenspolitische Schlachtfeld trete“, sondern es hat auch wirklich etwas damit zu tun, selbst manchmal für sich noch mal klar zu ziehen, warum man bestimmte Dinge tut oder warum man bestimmte Dinge auch lässt.

Der Hintergrund war für mich und das ist jetzt eine lange Geschichte, aber ich mache nur auf die kurzen Highlights zurück, dass ich selber mal in Situationen war, in denen der Umgang miteinander bar jeder Vereinbarung sozusagen im Endeffekt gehalten wurde. Also das sind dann Sätze gefallen, die auch andere kennen, wie ‚Ich haue dir aufs Maul‘, oder gestern hatte ich ein Gespräch mit jemanden, der meint, er hat schon mal erlebt, ‚ich reiße dir die Genitalien ab‘ etc. Und das war für mich damals schon der Punkt, wo ich gesagt habe, ich möchte nicht in so einer Wirtschaftswelt unterwegs sein.

Ich würde gerne verstehen, was da gerade passiert und was Menschen antreibt. So und dann bin ich in eine ganz andere Welt eingetaucht, nämlich die Welt der Selbstverteidigung und damit dann auch nach und nach in die Welt der Streit- und Einsatzkräfte. Und habe festgestellt, dass auch dort oder gerade dort natürlich auch der Umgang mit solchen Hoch Stress Phasen potenziellen Konflikten, a natürlich sehr gut vorbereitet ist, aber b es auch konkrete Techniken gibt, die man da auf die eigene Persönlichkeit, aber auch die eigenen Verhaltensweisen im Business Kontext anwenden kann.

Plus, und das war noch das Schöne daran, auch die Dinge, die ich aus der Management Beratung schon mitgebracht habe, haben wiederum diesen Menschen in ganz anderen Kontexten geholfen zu verstehen, wie sie eigentlich agieren können, wenn sie jetzt gerade nicht in einem physischen Konflikt sind, sondern auch mal in einem verbalen. Das heißt, das waren die zwei Welten, die da zusammengekommen sind und mich hat schon immer dieser Faktor Mensch interessiert.

Also was treibt Menschen an, was aber auch hilft uns wirklich Höchstleistungen abzurufen? Und was treibt auch manche Menschen an, über die eigenen Grenzen hinauszugehen? Und wenn wir das auf die Wirtschaftswelt übertragen, warum war mir dieses Buch dann ein Anliegen? Weil als Management Beratung oder Management Berater an der Stelle der in einer Beratung tätig ist, versuchen wir natürlich, die richtigen Akzente zu setzen. Richtig in Anführungszeichen, aber wenn wir zumindest mal in Deutschland und Westeuropa bleiben, sind wir sprechen von New York, von lernenden Organisationen und das hat viel mit Transparenz, Toleranz, respektvollen Umgang etc. pp. zu tun. Leider gibt es aber auch in vielen Unternehmen, die ich sehe, da so eine Art Schattenwelt, in der mit Menschen einfach anders umgegangen wird und leider eher so, wie ich es vorhin beschrieben habe.

Und diese Menschen erreichen wir darüber nicht. So die brauchen wir aber und die müssen die, die müssen auch aktiviert werden, wenn das, was wir gemeinsam schaffen wollen, auch klappen soll, nämlich dass wir in eine Welt kommen, in der Ideen gewinnen und nicht die persönliche Kommunikationsfähigkeit, sondern in dem Unternehmertum kommt und dann vielleicht erst die Herkunft. Und so weiter und so fort.

Also es sind ganz viele unterschiedliche Aspekte und Business Warrior hatte dabei den Ansatz dieses Ja, ich bleibe doch dabei, dass Unternehmenspolitische Schlachtfeld zu egalisieren, also das, dass wir im Endeffekt wieder um die besten Ideen ringen und dann auch dem Sinn des Unternehmens, da sind wir beim Purpose, wieder am besten möglich gerecht werden können.

Und da sind wir dann auch dabei, wenn der Sinn des Unternehmens sich mit meinem auch noch deckt und ich das ein stückweit ausleben kann, dann bin ich als Einzelperson, als Individuum, schlicht auch maximal produktiv und habe auch vor allem, und das ist das, was mich neben dem Interesse an anderen Menschen antreibt, maximale Freude an meinem Job. Denn Arbeit ist nun mal ein großer Teil unseres Lebens und ich möchte helfen, dass für viele Menschen der Beruf wieder zu Berufung wird.

Dominik Josten: Sehr schön. Ich glaube, da kann man schon mal ganz gut nachvollziehen, wie du so ein bisschen deinen Purpose auch gefunden hast und dann auch diesen im Resultat, dann diese frühmorgens Schichten vor der Arbeit fürs Schreiben hingekriegt hast. Und ja, du hast es eigentlich damit ja die wunderbare Überleitung gegeben zum Thema Purpose jetzt mal so ein kleines bisschen näher einzusteigen.

Was ist Purpose?

Dominik Josten: Vielleicht kannst du zu Beginn noch mal so ein bisschen, ja, ohne jetzt die Schulbuch Definition rauszuholen, aber doch so ein bisschen abgrenzen, versuchen klar zu machen was ist eigentlich jetzt genau gemeint mit diesem Begriff Purpose. Auch vielleicht in Abgrenzung zu anderen Begriffen wie Vision oder Mission oder weiß ich nicht, Geschäftszweck in der Gründungsurkunde, vielleicht kannst Du uns da mal so ein bisschen abholen. Was? Was sind die Unterschiede?

Max Görner: Ja, total gerne. Also wenn wir uns einfach mal überlegen, was ein Unternehmen antreibt, vielleicht auch einem Unternehmen, das gerade wirtschaftlich nicht so gut geht, dann scheinen die sich immer meistens ein paar ganz interessante Fragen. Nämlich die eine ist für wen machen sind das eigentlich? Das ist das Thema Kunde? Dann fragt man sich auch Wie bekommen diese Menschen mit, dass es uns gibt? Das ist dann Positionierung. Und dann fragen wir uns natürlich auch, Haha, wie schaffen wir das, wie kommen wir dahin? Dann sind wir beim Thema strategische Erfolgsfaktoren. Und da ist natürlich die große Frage, wie schaffen wir das denn eigentlich intern und wie verändern wir dadurch etwas? Da sind wir im Thema Mission, das ist dann Nummer vier. Und dann ist da noch die große Frage, was ist denn das, das was und das wohin?

Also wie sieht das Morgen aus, das wir mit der Vision gestalten wollen? Das heißt, da sind wir jetzt schon mal durch alles Wesentliche, jetzt mal im Stück durch, vom Kunden bis hin zur Vision. Aber es gibt eben noch mal eine Ebene darunter, das ist Sinn und Zweck des Unternehmens. Früher so habe ich es als erstes Mal angetroffen, nannte man es auch Essenz, also die Unternehmensessenz hieß es mal, irgendwann kam auch der Begriff Unternehmens-DNA und dann…Purpose muss man ja sagen, kommt ja eher aus der Psychologie, der wurde dann auch in der Wirtschaft adaptiert, ging es darum, dass der Begriff Purpose hochgeploppt ist, der jetzt mal beschreibt, was ist Sinn und Zweck des Unternehmens? Aus welchem Grund gibt es uns bzw. wozu? Und da ist man eben auch ganz schnell, du hast es vorhin angedeutet, auch bei einer gesellschaftlichen Komponente, die vielleicht bisher nicht in jedem Unternehmen die große Rolle gespielt hat.

Purpose im Unternehmen

Dominik Josten: Jetzt, vielen Dank erst mal für diesen Überblick und ich denke, wenn man jetzt so ein Unternehmen ist, wie nehmen wir jetzt gerade populäres Beispiel Biontech, ja, da kann jeder nachvollziehen, was da der Antrieb ist, was bei der Gesellschaft der Zweck hat, also deren Purpose. Ich glaube, den kann jeder sich sofort vorstellen. Aber was ist, wenn man jetzt nicht in so einem Unternehmen ist und ja im Zweifel wirklich nur gegründet wurde, weil man dachte, man kann diese Plastikdruckgussteilchen billiger herstellen als die anderen und damit reich werden?

Was dann sozusagen? Kann man so ein Purpose dann überhaupt erarbeiten? Mit jemandem wie dir oder auch alleine? Oder muss der eigentlich von innen heraus natürlich da sein wie wie würdest Du das sagen?

Max Görner: Die Frage ist ja, wie dogmatisch sieht man es? Und da bin ich eher Pragmatiker als Dogmatiker. Und ich bin bei dem, was du gerade sagt. Ich bin fest davon überzeugt, jedes Unternehmen hat einen Purpose, es kennt den nicht immer selbst und manchmal findet es den vielleicht auch nicht gut. Oder die Menschen, die dort arbeiten. Aber ein Sinn und Zweck, warum es das Unternehmen gibt, gibt es und wenn es nur das sei, dass die Gründer, der Gründer irgendwann mal gesagt hat, ich möchte damit reich werden, dann ist das auch vollkommen in Ordnung.

Oftmals reicht es in Anführungszeichen jetzt auch mal, wenn man das Thema Nachhaltigkeit zur Seite schiebt. Ich nehme es gleich noch mit rein, schlicht das A noch mal transparent zu machen, weil dann hat man ja einen klaren Nordstern, nämlich wir tun das, was dazu führt, dass wir unseren, unser Eigenkapital, unsere Gewinnquote, was auch immer maximieren oder auch unseren Unternehmenswert.

Und damit ist man natürlich auch sehr flexibel. So, das ist aber auch gleichzeitig dann die Krux, was genau bei solchen Purpose Definitionen oder bei Unternehmen, die so einen, ich würde mal sagen generischen Purpose haben, schwierig wird. Weil umso weiter die sich natürlich diversifizieren und gerade in einer in einem Marktumfeld, wie wir es erleben, also dass sich schnell ändert, was sehr komplex ist, ist es dann sehr schwer, dass der Purpose in irgendeiner Form einen Halt gibt.

Das heißt, diese Unternehmen haben dann ein Purpose, aber sie können den nicht wirklich materialisieren. Interessanter wird es deswegen, wenn Unternehmen darüber hinausdenken und sagen Natürlich sind wir ein kapitalistisch geprägte Organisation, die also auch Gewinn machen möchte. Aber was machen wir denn damit und wozu tun wir das? Und wenn man sich die meisten mittelständischen Unternehmen anschaut, dann haben die einen beträchtlichen Einfluss auf die Lebensqualität von uns normalen Kunden oder auch einen positiven Einfluss noch mal auf die Umwelt bzw auf die Entwicklung in den Bereichen.

Da geht es oftmals nur noch mal darum, das wirklich zu schärfen, hervorzuheben oder auch b sich neu zu justieren. Weil das kann natürlich schnell passieren, wie du es vorhin gesagt hast, über den Zeitverlauf, umso mehr Menschen reinkommen und vielleicht auch die Führung sich noch mal deutlich ändert, gerade die Menschen, die Purpose getragen haben, sind vielleicht nicht mehr da, kann der Purpose so eine Art diffundieren und dann geht er eben wieder nur auf das zurück, was alle verbindet, nämlich wollen gemeinsam Erfolg haben.

Das Problem dabei ist nur Gemeinsam Erfolg haben zu wollen, macht einen noch nicht erfolgreich, sondern da brauchen wir ein Stück weit mehr Sinn und Zweck dazu.

Dominik Josten: Und zieht ja wahrscheinlich erst recht die von Dir schon mal angesprochenen digitalen Söldner so ein bisschen an, weil wenn der Purpose sozusagen überall gleich ist, dann spielt ja nicht mal das eine Rolle, sozusagen, ob man jetzt für A oder B arbeiten wird.

Max Görner: Absolut. So, und jetzt kommen wir zu einer weiteren Dimension, das, Du deutet es schon exzellent an, nämlich das Thema Nachhaltigkeit, aber auch weitere Trends am Markt wie Fachkräftemangel nämlich. Was wir schon merken ist einen gesellschaftlichen Wandel. Der scheint gerade ein Stück weit zumindest in Westeuropa verlangsamt zu werden. Durch die Konflikte in Osteuropa. Aber er ist immer noch da.

Und das bedeutet, dass die Gesellschaft, vor allem die jüngeren Menschen, jetzt mal einfordern, dass Unternehmen klar herausstellen, was ist eigentlich ökologischer Mehrwert für die Welt? Also machen sie zumindest die Welt nicht weiter schlecht, also machen sie sich nicht weiter kaputt. Und b Was ist auch Ihr gesellschaftlicher Impact? Und daraus haben sich natürlich auch ganz viele Anforderungen der Gesetzgeber etc. ergeben, die ja auch berücksichtigt werden müssen.

Und das wiederum kann man a jetzt als Druck auf die Unternehmen sehen, b Ich sehe es eher als Chance, den Unternehmen auch eine andere Perspektive auf das eigene Handeln zu geben und sich darüber über den Purpose, nicht unbedingt neu zu erfinden, aber den eigenen Purpose anzureichern. Und das wiederum macht es natürlich auch für die Kolleginnen und Kollegen, die hoffentlich irgendwann zukünftig zu dem Unternehmen kommen, also die Bewerber und Bewerber, noch interessanter und attraktiver. Denn seien wir jetzt mal ganz realistisch, die meisten Verwaltungsjobs, also jetzt nicht Produktion, aber alles sozusagen white collar kann ich mittlerweile für jedes Unternehmen fast auf der ganzen Welt durchführen, solange ich eine gute Internetverbindung habe und auch ein entsprechendes IT System. Und also Beispiel ist ja auch der HR-Bereich, da hatte ich gerade das Gespräch, die Kollegin meinte auch, HR kann ich für jedes Unternehmen gerade weltweit machen, ich muss natürlich immer schauen, dass ich so ein bisschen Kontakt zum Unternehmen halte. Aber was zum Beispiel sie motiviert war, dass sie gesagt hat Ich, ich habe eine wirklich tiefe Bindung zu dem, was mein Unternehmen macht. Ein Kunde von uns, der im Bereich Kaffee Zubereitung ist.

Und das motiviert Sie dazu, nicht nur da zu sein, sondern zu bleiben und auch das Unternehmen mit aufbauen zu wollen. Und das sind so diese kleinen Erfolgsgeschichten, an denen ich immer wieder sehe Es zeichnet sich nicht nur in Studien ab, wie wichtig das Thema ist, sondern schlicht auch im echten Leben. Und dass es für die Unternehmen vor allem auch im Mittelstand, die vielleicht auch nicht gerade in den Großstädten wohnen, eine echte Chance ist, auch Talente für sich zu akquirieren, die zu entwickeln und langfristig auch zu halten.

Mehr zum Thema:

Saskia Rudolph im Gespräch

Video

Corporate Social Responsibility - Positive Psychologie

Was bedeutet Corporate Social Responsibility und wie können Unternehmen ihren Beitrag dazu leisten?

Muss der Purpose mit dem Geschäftszweck zusammenhängen?

Dominik Josten: Wenn wir jetzt mal ein konkretes Beispiel nehmen. Ein großer Industriebereich in Deutschland ist ja nun mal die Autoindustrie, die ja jetzt in dem, wie du schon sagtest, gesellschaftlichen Wandel zunehmend als die Bösen irgendwie dargestellt werden, was ja jetzt rein von der Umweltverschmutzung ja auch nachvollziehbar ist. Aber was soll denn dann jetzt ein Hersteller, dass sind ja tausende von Zulieferern, die irgendwelche Schrauben, Gelenke, Stahlteile, Plastikformgussteile, was weiß ich was, liefern, was sollen die denn jetzt mit ihrem Unternehmen machen? Würdest Du sagen, es wäre dann schon wenigstens ein Purpose zu sagen, keine Ahnung, wir wollen die Transformation zur Elektroindustrie schaffen. Oder wir wollen das, was wir tun, besonders umweltfreundlich herstellen. Oder was, was würdest Du sagen, in was für eine Richtung kann man dann denken? Weil, sie sind ja nun mal so gesehen auf der schlechten Seite vielleicht der gesellschaftlichen Veränderung, aber eben trotzdem sehr, sehr viele Millionen Leute, die da arbeiten.

Max Görner: Ja, hm, also warum denke ich gerade über deine Frage noch intensiver nach als über die anderen? Weil mein erster Impuls ist, die klassische Beraterantwort: Es kommt darauf an. Was mein ich damit, der Purpose… ja warte, keine Sorge, es gibt noch eine konkretere, aber dass.. der Purpose ist halt hoch individuell und der muss nicht immer was direkt mit dem Geschäftszweck zu tun haben.

Wir haben zum Beispiel einen Kundenunternehmen, die haben den Purpose für sich entdeckt, dass sie Freude ins Leben der Menschen bringen, sie verkaufen aber… also eigentlich waren… ich möchte jetzt auch nicht zu viel sagen, weil das deren Purpose an der Stelle ist, und versuchen, sich darüber neu zu erfinden und neu zu definieren, um von der eigentlichen Geschäftstätigkeit ein Stück weit wegzugehen und sich auf den Mehrwert der Menschen mit denen sie zu tun haben, oder der Endkunden zu fokussieren.

Und das leitet auch über in die in die konkrete Antwort auf deine Frage. Ich würde den Unternehmen wahrscheinlich empfehlen, einfach noch mal drauf zu schauen, nicht nur a Was sind die Ressourcen, die Sie verbrauchen, sondern welchen Wert stiften Sie auch noch mal? Und b gibt es mittlerweile nicht auch Wege, Du hast vorhin gesagt Transition hin zur Elektromobilität oder auch Wasserstoff etc., die da noch die die Belastung sozusagen für die Welt als Ressource gesehen sozusagen reduzieren.

Aber da muss man ja auch fairerweise realistisch bleiben, das machen die Unternehmen ja auch schon seit Jahren. Also die meisten sind ja unterwegs und engagieren sich in verschiedensten Bereichen. Jetzt allerdings, und da hast du vollkommen recht, nimmt der gesellschaftliche Druck zu. Wir haben natürlich auch noch mal eine andere Markt und politische Situation, die da auch mehr Aufmerksamkeit erfordert.

Also zum Beispiel die Unternehmen haben wir jetzt auch die Aufgabe, ihre Lieferketten zu überprüfen, auf den ökologischen Impact, aber zum Teil auch auf Arbeitsbedingungen etc., was es früher so nicht gab und wenn wir es schaffen, dass das nicht nur ein reiner Druck ist, sondern man auch sieht Aha, wir verändern auch damit das Leben vieler Menschen jetzt mal außerhalb des reinen eigenen Wirkungskreis, des Standortes, an dem man arbeitet, positiv, dann ist das aus meiner Sicht schon ein großer Schritt, der da getan wird.

Aber wie der einzelne Purpose heißt und was der im Unternehmen ausmacht, ist weiß, ist echt schwierig zu sagen.

Dominik Josten: Kann man ja auch nicht pauschal für für alle beantworten. Aber ich glaube, wichtig ist ja schon mal, dass so ein bisschen rauskam, es muss nicht zwingend absolut was mit dem Geschäftszweck zu tun haben. Also man muss jetzt nicht um Teufel komm raus irgendwie den tieferen Sinn in seinen kleinen Plastik Kügelchen suchen, die man herstellt. Zum Beispiel. Aber klar, ich meine, es ist auch immer eine Herausforderung, weil nicht jedes Unternehmen hat vielleicht auch jetzt die Gewinnspannen oder die Margen um jetzt treibende Kraft bei einer Transformation zu sein im Zweifel, die dann das eigene Stammgeschäft zerstören würde.

Mehr zum Thema:

2 Frauen an Flipchart-Wand

Wie Coaching Veränderung erfolgreich macht

Change-Prozesse in Unternehmen erfordern vor allem klare Ziele und gute Kommunikation. Coaching kann helfen, Change Management sinnvoll zu unterstützen.

Motivorientiertes Führen

Dominik Josten: Also es ist, es ist auch nicht so einfach das Thema. Vielleicht kann man das ja mal, wenn man es ein bisschen eine Ebene tiefer greift…ich meine, ein Purpose ist ja jetzt nicht damit getan, dass man es irgendwo auf eine Website schreibt und sagt „Yippie Yah Yei“, wir haben jetzt ein Purpose, sondern das wird ja wohl nur dann richtig funktionieren, wenn es auch irgendwie gelebt wird, und da sind wir dann vielleicht ein bisschen bei dieser Führungskraft-Mitarbeiter-Beziehung auch, oder? Ich weiß nicht, ob das jetzt hier reinpasst. Du hattest mal im Vorgespräch etwas erzählt, das „Motiv orientierte führen“. Das klingt ja jetzt doch sehr verwandt damit. Passt das da gut rein? Was hat es damit auf sich?

Max Görner: Ja, darf ich noch einen Satz zu deiner Einleitung sagen? Dann gehe ich direkt drauf ein. Und zwar vielleicht können wir noch einmal abgrenzen, was es nicht ist. Das habe ich nämlich vorhin nicht getan und das scheint mir hier nochmal ganz gut passen. Purpose ist kein Marketinginstrument. Also Purpose solltest du auch erst einmal für dich A entwickeln, als Unternehmen, B dann vor allem Leben. Ja und dann erst C kommunizieren. Also das machen wir bei jeder Purpose Transformation so, weil auch da muss man ja auch sagen, im Mittelstand, aber auch in Großkonzernen, die Menschen haben schon so viele Veränderungsprozesse hin zu einer neuen Welt oder hin zu einem neuen Wir erlebt, dass es bei Purpose jetzt wirklich darauf ankommt, erst mal etwas anders zu machen und Belege dafür zu liefern, Erfolgsgeschichten zu liefern und dann zu sagen „Hey, und übrigens, das ist unser Purpose, ist euch wahrscheinlich schon aufgefallen“. Und von da an das auch, wie so ein Herzschlag der Veränderung, immer weiter weiterzutragen. Zum Zweiten Teil deiner Frage. Wir waren ja vorhin schon mal da, Ich habe auch das Thema Freude und Begeisterung schon mal ausgebracht und du auch. Du hast es implizit, was nicht mit dem Begriff Selbstdisziplin argumentieren, dass sich selbst zu motivieren, Dinge zu tun und vollkommen richtig da macht Motiv-orientierte-Führung oder Motiv-Psychologie ist da eine große Hilfe. Dabei handelt es sich um jetzt nicht die psychologische Theorie, sondern es ist eher empirisch hergeleitet worden, dass Menschen neben Grundbedürfnissen wie Essen, Trinken, Schlafen und so weiter und so fort auch Bedürfnisse haben, die entwickelt sind. Das sind 16 Bedürfnisse, die heißen zum Beispiel Macht, Anerkennung, hast du vorhin gesagt, ja also Neid wechselt in Anerkennung, Unabhängigkeit, Beziehungen, Ordnung etc. pp. So was ist das Interessante daran, wenn ich diese intrinsischen Motive decke und die auch noch mit extrinsischen Motivatoren kombinieren, also zum Beispiel sag, ich habe eine hohe Ausprägung körperliche Aktivität, das heißt ich möchte mich viel bewegen und ich nehme mir jetzt vor, ein Marathon zu laufen in unter drei Stunden, das ist ja mittlerweile glaube ich langsam bei dem was ich was die Hobby Läufer da alle leisten…

Dominik Josten: Glaub unter 2 Stunden sind die Profis, oder?

Max Görner: Ja ja, deswegen die Hobbyläufer. Also ich würd mit meinem Auto die Strecke fahren, ist aber ein anderes Thema, natürlich mit einem ökologisch freundlichen Auto und so…

Dominik Josten: Und in der Stadt wahrscheinlich länger brauchen als die Marathonläufer wahrscheinlich für 40 Kilometer.

Max Görner: Ja, da haste recht, dann nehmen wir doch das Fahrrad. Lass uns darauf einigen, denn vielleicht haben wir dann eine Chance. So, aber wenn das zusammenkommt, dann im Endeffekt kommen dann Volition und Kognition zusammen, also meine Bedürfnissstruktur plus das, was ich mir als Ziel setze und dann funktioniert das richtig gut so. Und genau so funktioniert auch die der Purpose als Transmission Riemen zwischen dem, was ich für mein Leben möchte und dem, was das Unternehmen tut.

Also wenn ich intrinsischen Antrieb habe, ich möchte in meinem Leben paar Dinge erreichen, ich möchte die Welt zu einem besseren Ort machen, ich möchte Menschen helfen, sich selbst zu finden, ich möchte vielleicht auch irgendwas tolles entwickeln und das Unternehmen hat genau da auch sein Purpose. Zumindest die, die besten Innovationen des 22. Jahrhunderts irgendwann zu liefern. Oder jetzt schon die Innovation für das nächste Jahrhundert etc. pp. Dann in dem Fall sind diese zwei Welten, haben sie eine Schnittmenge und überlagern sich. Das heißt, ich, ich verbrauche halt viel weniger Energie, um Dinge zu tun, die wahrscheinlich für jemand anderen deutlich anstrengender wären. Und das ist eigentlich dieser Sweet Spot, oder manchmal spricht man auch von Flow, den wir viele kennen, wenn wir so ein Arbeitspaket vor uns haben, wir tauchen da ein, wie jetzt gerade auch. Ist ja ein Riesenspaß, schau auf die Uhr und denkt so „Wow, wir sprechen ja schon viel länger, als sich das für mich gerade zum Beispiel anfühlt“. Und das passiert einfach, wenn du da ja eine Überschneidungsfläche hast zwischen dem, was dein Zweck ist und dem, was Unternehmenszweck ist oder auch deine intrinsischen extrinsische Motivation.

Und dann muss man sich zum Beispiel gar nicht so sehr zwingen, zum Beispiel sich morgens hinzusetzen, ein Buch zu schreiben. Aber auch da bin ich ganz offen. Ich habe mir ein Buch Coach geholt, weil ich wusste, dass ich sonst als ich brauchte, irgendjemand, der mir auch dabei hilft und mir sagt Max, ich weiß, du bist gerade müde, Max Ich weiß, du bist fertig, aber der Weg ist gar nicht mehr so weit. So, und das ist, glaube ich, auch beim Purpose ganz wichtig zu verstehen Aha, das ist unser Purpose, aber auch realistisch zu sein, wie viel kann ich denn leisten und wie weit trägt mich auch der Purpose und wann schlägt es einfach Disziplin um? Also da muss man, glaube ich, auch immer Begeisterung, Disziplin miteinander kombinieren.

Rolle der Führungskraft

Dominik Josten: Und kannst du vielleicht und Du hast gerade schon angedeutet, die Zeit verrinnt, aber vielleicht noch in zwei, drei Worten… Sätze dürfen es auch sein…. beschreiben, was denn jetzt die Aufgabe letztendlich der Führungskraft ist, oder hast Du vielleicht die Tipps, die entscheidenden Tipps, wer dann Führungskraft wird, wenn er oder sie jetzt sagt „Okay, das kann ich nachvollziehen, diese Motive, Motive der meiner Mitarbeiter und ich will die irgendwie auch positiv verstärken, um in meinen Mitarbeitenden zu helfen, in diesen Flow zu kommen.“ Worauf sollte man dann achten? Oder was? Was, was macht man dann anders?

Max Görner: Ja hmmm. Ich fang jetzt mit drei Worten an und forme die in drei Sätze um, nämlich wollen…. Nein, Mist, es sind zu viele, habe ich verzählt…wollen ist stärker als müssen. Im Englischen hätte es funktioniert, im Deutschen gerade nicht. Lustig.

Dominik Josten: Macht nichts, wir stellen es uns vor, es wären drei Worte, drei Schlüsselwörter, die deutschen Füllwörter machen alles kaputt, jedes noch so schöne Sprichwort...

Max Görner: Da hast du recht, dafür wird es aber präziser. Also deswegen… was wir oftmals, Was ich immer wieder bei den Führungskräften beobachte, die ich selbst coache, die wir aber auch organisational, also aus Allfoye-Sicht dann wirklich begleiten, ist, das natürlich spätestens wenn der Stress dazu kommt, also wirklich Druck, weil irgendwas fertig werden muss, Menschen so auf Positionen gestaffed werden oder auch auf Rollen, die besetzt werden müssen, je nachdem, was die Person kann, aber gar nicht so sehr, was sie eigentlich will.

Und es ist auch oft so dieses ‚ach die Person ist schon seit zehn 15 Jahren da, die hat auch nicht mehr lang, die will doch nix mehr‘ und das ist etwas, was ich ganz hart herausfordere, weil a erst mal dieses Thema ‚Was will ich aus meiner Karriere oder aus meinem Beruf?‘ Ja, es verändert sich über den Lebenslauf, Lebenslauf, die verschiedenen Lebensabschnitte, aber es hat nichts direkt mit dem Alter zu tun. Also es korreliert vielleicht, aber es ist kein kausaler Zusammenhang. Wir haben ganz viele Menschen immer wieder bei uns, die mit uns Innovationsreisen etc. machen und darüber ihren eigenen Purpose wiederfinden und dann sagen Aha, in meiner Organisation brauche ich also das, das und das um wirklich maximal wirksam sein zu können.

Das bedeutet auch, und ich mache es jetzt mal ganz konkret als Führungskraft, es gibt aus dem Bereich der Produktion immer diese Frage fünfmal „Warum?“ Fragen, um vom Problem zu einer Ursache zu kommen. Das würde ich auch empfehlen, wenn es darum geht, neue Projekte zu übernehmen oder zu übergeben, zu delegieren, mit dem Team zu machen. Wenn sich da Menschen melden oder nicht melden, da wirklich mal rein horchen, nachforschen, warum, wieso, weshalb? Also bitte nicht immer warum, warum, warum, das ist ja klar, aber da wirklich die Ursache zu finden und nicht einfach nur das Problem.

Und da, letzter Punkt auch, Purpose ist für uns total herausfordernd, weil er ein stückweit auch.. oder unsere kognitiven Verzerrungen dagegen arbeiten. Also wir bauen uns einfach so ein Bild voneinander auf, dass wir jemandem etwas zuschreiben, zum Beispiel die Person erkennt in ihrem Beruf keine Berufung, die macht das nur, um so ein bisschen zu arbeiten und ihren Job halt zu machen. Und da gilt es auch als Führungskraft mach mal eigenen Reset, nachdem man sich mal mit sich selbst beschäftigt hat, auch zu sagen OK, ich betrachte jetzt nochmal die Kolleginnen und Kollegen neu, ich geh wirklich aktiv ins Gespräch und versuche herauszufinden, was sie wirklich antreibt. Und die Erfahrung zeigt, das findet man, oder werden die Menschen, die zuhören, so viel mehr finden als das, was sie jetzt wahrscheinlich vermuten?

Dominik Josten: Hmmm, jetzt ein Thema ergänzend, weil du hast es schon gesagt, den Spruch kenne ich auch. Ja, die sind schon so lange hier und jetzt noch ein paar Jahre bis zur Rente, die wollen nichts mehr. Ich glaube ja, nur weil man sie vielleicht tatsächlich keinen anderen Job mehr wollen, heißt es ja nicht, dass sie gar nichts mehr wollen. Also nicht vielleicht das Bedürfnis haben, dass auch diese Beständigkeit oder diese Erfahrung noch wertgeschätzt wird. Und nicht in dem Gefühl Ja, wer nicht alle zwei Jahre die nächste Karrierestufe oder das nächste heiße Thema macht, der ist auch irgendwie nicht mehr übrig. Das heißt also nicht, keinen anderen Job mehr zu wollen, heißt nicht, gar nichts mehr zu wollen, sondern wie gesagt, es gibt viele verschiedene Motive, die, die erfüllt werden wollen und und.

Max Görner: Und das Interessante ist, wenn wir jetzt auch Mitarbeitende wieder, das kennt man schon von früher, nicht nur als Ressource sehen, sondern wirklich wieder als Mensch, dann wird man feststellen, dass gerade bei den Menschen, denen man das unterstellt, das private Sozialleben und die Verantwortung, die im eigenen Bereich außerhalb der Firma übernommen wird, extrem hoch ist. Vorsitzender im Kleintierzüchterverein, Schriftführerin im Sportverein, in zig Schützenverein, Karnevalsverein und so weiter und so fort.

Was die Menschen einfach gemacht haben über den Zeitverlauf, weil sie gemerkt haben mein Lebenssinn hat nichts mit dem zu tun, was die Firma tut oder sehr wenig, das heißt, ich versuche einfach auch so wenig wie möglich Energie reinzustecken. Sie haben sich diese Erfüllung einfach in anderen Lebensbereichen geholt. Ja, aber wenn ich das wieder zusammenführte, was soll die Menschen davon abhalten, auch wieder an ihrem Beruf, also noch mehr Freude zu empfinden, als sie es jetzt gerade tun und sich dadurch noch stärker einzubringen?

Weil, seien wir doch mal ehrlich, wenn wir diese Erfahrung, von der wir beide jetzt gerade sprechen, mit ein bisschen zusätzlicher Innovation kombinieren oder kreativen Ideen, das ist doch genau das, was die Unternehmen gerade brauchen, um weiter ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Weil ganz viele neue Menschen findest du eh nicht mehr. Das heißt, es ist jetzt wirklich an der Zeit, aus den Menschen, die wir haben, wieder das für sie, aber auch für das Unternehmen Optimum herauszuholen und dafür zu sorgen, dass alle mit Leichtigkeit und Begeisterung am gemeinsamen Erfolg arbeiten.

Und das auch noch im Kontext von einem schönen Sinn.

Max Tipps - So fängt man an mit der Suche nach dem Purpose

Dominik Josten: Und das Schöne ist, dass so was verstärkt sich ja ganz gerne selbst, weil wenn man dann Spaß an dem hat, was man tut, dann geht man auch miteinander anders um und nicht mit so Sprüchen wie du ganz am Eingang mal erwähnt hast, und meistens ist man dann auch irgendwann erfolgreicher und das macht ja dann einfach noch mehr Spaß, als irgendwie gegen den Untergang anzukämpfen.

Jetzt hast du es angedeutet, wir sind schon tatsächlich am Ende der Zeit, aber ich würde trotzdem ganz gerne Dir noch eine kurze Chance für so ein kleines Fazit geben, oder vielleicht auch einen kleinen Tipp mitgeben für die Leute die zuhören. Wenn jetzt jemand sagt okay, also ja, irgendwie kann ich es schon alles nachvollziehen und ich finde es auch echt spannend und ich würde es auch glaube ich gerne mal mich näher damit beschäftigen, was eigentlich unser Purpose sein könnte, den vielleicht auch wiederzufinden oder auch auch vielleicht wie gesagt, dass nach einem Ausscheiden von Gründern auch mal zu wechseln und neuen und weiteren zu entwickeln.

Es scheint ja auch durchaus zu gehen. Es muss ja nicht immer der sein, der mal vor 40 Jahren war. Was würdest du den mitgeben? Wie fängt man das an? Was braucht es dafür? Und so weiter. Also vielleicht außer dich als Berater einzustellen, was wären so die Schritte, die wesentlichen Erfolgsfaktoren sozusagen.

Max Görner: Ja, zuerst gilt es eine Bestandsaufnahme zu machen und sich mal selbst in die Augen zu schauen. Und zwar gibt es im Endeffekt nur zwei Möglichkeiten, entweder…. oder drei, aber zwei sind eigentlich vereinfacht…. entweder a Das Unternehmen ist schon heute sehr erfolgreich und soll einfach weiter erfolgreich bleiben. Das ist dann so Weg A auf den ich gleich eingehe oder b das Unternehmen ist gerade nicht so erfolgreich wie es sein soll und wir wollen erfolgreicher werden und brauchen dafür den Purpose. Und natürlich immer dazwischen gibt es Graubereiche, deswegen meinte ich sind eigentlich drei Optionen, irgendwas dazwischen, dann bitte einfach entscheiden, was gerade dominiert. Denn wenn das Unternehmen schon erfolgreich ist, zum Beispiel als Hidden Champion schon seit Jahren, Jahrzehnten etc., dann lohnt es sich vor allem, diesen Purpose in einem hoch partizipativen Prozess aufzubauen.

Also wirklich in die Umsetzung rein zu horchen, mit möglichst vielen Menschen das gemeinsam zu erarbeiten. Warum? Weil wir vorhin schon festgestellt haben, es ist ja so ein individuelles Thema. Das heißt es ist dann auch wichtig, dass die Menschen, die du heute hast, die du auch halten willst, eine Chance haben, ihren eigenen individuellen Blick auf das Thema mit rein zu geben. Das hat irgendwann eine natürliche Grenze, so das Unternehmen fünf oder 15000 Personen hat, da muss man sich schon fragen, welchen Querschnitt nimmt man mit? Aber da ist eher partizipativ.

Dominik Josten: Wenn ich ganz kurz was fragen darf. Weil ich würde ja vermuten, wenn du sagst, man ist seit vielen Jahren erfolgreich sind, spricht es ja auch dafür, dass es wahrscheinlich vielleicht sogar schon irgendwie so einen unterbewussten gemeinsamen Purpose, Vision gibt, die einen die ganze Zeit angetrieben hat. Daher da lohnt sich dann deswegen auch partizipativ den vielleicht einfach mal zu finden, zu entdecken, zu benennen, damit man sich den mal bewusst macht, weil er vielleicht sogar schon längst da ist, oder?

Max Görner: Sehr schön, vielen Dank. Das hast Du schöner gesagt, als ich das jetzt gerade könnte, den Teil habe ich unterschlagen. Das ist wirklich sehr oft der Fall. Da ist schon viel da. Jetzt gilt es mal darum, das auf den Punkt zu bringen, sich dann auch selbst noch mal klar zu machen. Und da ist dann wichtig, dass auch möglichst viele wieder drin wiederfinden.

So in der anderen Variante, wenn es dem Unternehmen nicht so gut geht, vielleicht auch schon länger und dann sagt das stimmt irgendwas wirklich auf unserer tiefsten Ebene nicht, also warum auch immer. Dann gilt es, die Menschen um sich herum zu scharen, die man wirklich als die ja Personen für das neue Zeitalter im Endeffekt sieht, die sagt okay, wir müssen hier wirklich was grundsätzlich ändern. Und mit diesen Personen dann den Prozess auszugestalten, weil offensichtlich dann in der gesamten Mechanik des Unternehmens Irgendwas nicht passt. Das heißt, da fängt es dann eher von innen heraus, aus so einem Purpose Nukleus sozusagen an und strahlt dann weiter nach außen. Wobei dieser Purpose Nukleus dann auch manchmal ein bisschen top down sein kann, also aber so von der, von der anderen Art die Idee.

Und dann werden erst nach und nach die verschiedenen Personen mitgenommen, die dann auch irgendwann und das wiederum finde ich das sehr gut an dem Prozess für sich überprüfen können ‚Ja, bin ich denn hier noch richtig, wenn das Sinn und Zweck des Unternehmens ist oder auch nicht?‘ Also deswegen kann das nicht nur ein sehr fokussierender, sondern auch ein sehr heilsamer Prozess sein.

Dominik Josten: Und ich glaube, das ist auch ein ganz wichtiger Schlusssatz von dir, der in vielen Veränderungen wichtig ist. Ja, es ist immer hilfreich, möglichst viele zu versuchen mitzunehmen bei einer Veränderung. Aber es wird nicht immer funktionieren, weil so wie sich Menschen ändern, eben auch Unternehmen. Und wenn das Unternehmen jetzt eben sagt, wir unsere jetzigen von mir sehr nach Gründergeneration, wir wollen umweltfreundlicher sein und dafür unser Unternehmen auch in bestimmten Dingen ändern, dann hat das eventuell auch Konsequenzen, die dann nicht mehr unbedingt jeder mitträgt, weil manche Jobs anders sein werden oder was auch immer und andere davon auch keine Angst haben, weil, wie ich, wenn ich es richtig verstanden habe, für den Purpose ist lebt nur dann, wenn ihn auch irgendwie alle irgendwo mittragen können.

Max Görner: Das einzige, was ich ergänzen möchte an der Stelle würde ist…die anderen nicht ganz auszublenden, sondern das schon herausfordernd zu lassen, weil das kann ja auch schlicht der eigene blinde Fleck sein. Und dann kann man hinterher immer noch dazu kommen. Ja, es ist jetzt aber so und offensichtlich gibt es unterschiedliche Sichtweisen und dann kann ja auch jedes Individuum dazu die eigenen Schlussfolgerungen für sich daraus ziehen.

Aber dein Beispiel fand ich wunderbar.

Dominik Josten: Absolut valider, aber guter guter Punkt. Gut, das Du das auch noch mal klargestellt hast. Also das ist so ein bisschen wie so oft, ist man jetzt gerade der der Falschfahrer, der sich denkt „sind eigentlich alle blöd, dass sie alle auf der falschen Seite fahren“ und man ist es eigentlich selber sozusagen. Oder sind es halt wirklich Einzelne, die halt dann einfach das nicht mehr mittragen können. Dass man das nicht so sehr als Ausrede gelten lässt, so nach dem Motto wer es nicht versteht, ist doof, soll gehen, sondern vielleicht ist auch das Problem wie oft nicht beim Empfänger, sondern beim Sender

Max. Das war mega spannend schonmal. Du siehst die Zeit rast, man könnte darüber ewig Ewigkeiten sprechen. Ich persönlich glaube aber, es ist schon schon klar geworden, A eine Leidenschaft natürlich und Deine Überzeugung davon. Und ich glaube auch an den Beispielen, wenn es gelingt, dass man sich wirklich mit all seinen Mitarbeitenden hinter so einen gemeinsamen Purpose versammelt, ich glaube, dann kann jeder nachvollziehen, dass vieles einfacher ist.

Ich kenne das auch, beispielsweise aus dem Sport, beim Joggen ist nach ner Viertelstunde langweilig, beim Fußball rast man zwei Stunden über den Platz und hat immer noch Spaß und ist nicht erschöpft und nichts, bis man dann irgendwann umfällt und denkt Gott, meine Beine fallen auch schon ab, warum habe ich nicht schon aufgehört? So kann es eben auch im Beruf gehen, wenn man es richtig macht.

Und das ist glaube ich sehr gut rübergekommen. Und ja, vielen Dank dafür für deine Einblicke, für Deine Erläuterungen in dieses spannende Thema und damit würde ich mal so ganz herzlich Dank für deine Zeit, hat sehr viel Spaß gemacht und bis zum nächsten Mal.

Max Görner: Dank mir auch auf Wiederhören.

Fazit & Schlusswort

Dominik Josten: Aber was man ein bisschen als Fazit mitnehmen kann, es ist gar nicht das große Hexenwerk, wie man jetzt eine Stellenanzeige formuliert, man muss keinen Oscar-prämierten Autor einstellen, um das zu formulieren, aber erfolgreiches Recruiting braucht doch heute mehr, vielleicht auch mehr Marketing-Erkenntnisse im HR, oder? Wir stellen ja doch fest, die Logik ist doch sehr ähnlich zu wenn ich ein Produkt, eine Reise oder sonst was verkaufen will. Würdest du das auch so als deine Empfehlung mitgeben an Personaler draußen, wenn sie besser werden wollen?

Matilda von Gierke: Also grundsätzlich unterstütze ich sehr den Einsatz von Performance Marketing im Recruiting, das war ja meine Motivation damals meine Headhunting-Karriere an den Nagel zu hängen und meine eigene Firma zu gründen und das ist auch der Grund, wieso wir die Firma auf fast 50 Personen hochskaliert haben. Wo ich nochmal anknüpfen würde, dass ich grundsätzlich Unternehmen raten würde, dass sie das Silodenken ablegen. Viele haben ja intern tolle Marketingabteilungen, tolle HR-Abteilungen, tolle IT-Abteilungen, dass man ein bisschen von den Logiken her miteinander spricht und vielleicht auch sich ein bisschen was abgucken kann aus der ein oder anderen Abteilung. Ich glaube es ist nicht copy & paste Product Marketing und Marketing im HR-Bereich, ich glaube von der Logik oder vom Ansatz her ist es ähnlich, aber man kann sich da auf jeden Fall sehr viel abschauen. Wichtig ist einfach, dass man versteht und dass man messen kann und das auch tut „wie verhält sich meine Zielgruppe? Woher kommt meine Zielgruppe? Wieso springt meine Zielgruppe ab? Was interessiert sie wirklich?“ und dass man das nicht tut als Organisation, sondern zielgruppenspezifisch, dass ich verstehe, dass unterschiedliche Zielgruppen, die ich erreichen möchte, auch über unterschiedliche Methoden, über unterschiedliches Wording, unterschiedliche Titel usw. angegangen und überzeugt werden.

Grundsätzlich muss man sich ja auch bewusst sein, dass es immer zwei Baustellen gibt. Die eine Baustelle ist „wie erreiche ich überhaupt meine Zielgruppe? Wie sorge ich dafür, dass meine Inhalte gesehen werden von der Zielgruppe?“. Damit ist uns aber noch nicht abschließend geholfen, weil selbst wenn jeder Java-Script-Entwickler der Welt, um bei meinem Beispiel zu bleiben, auf meine Stellenausschreibung klickt, sich aber keiner bewirbt, habe ich ja immer noch das gleiche Problem. D. h. die Konvertierung hinten heraus, das ist ja das eigentlich Spannende, d. h. wie bekomme ich die Zielgruppe überzeugt? Das tue ich eben, indem ich z. B. einige der heute erwähnten Tipps oder Handlungsempfehlungen umsetze oder in der Studie das ein oder andere nachblättere.

Dominik Josten: Und danach immer dran denken: Es braucht dann noch immer einen guten Recruiter, der ein engagiertes Gespräch führt, sonst war das alles wieder umsonst. Das ist aber ein Thema für sich. Matilda, an dieser Stelle ganz herzlichen Dank für deine Erkenntnisse und das Teilen dieser verschiedenen Tipps und wir packen den Link zu eurer Studie auch bei uns in die Shownotes, sodass man das nochmal nachlesen kann. Ich glaube es war ein schönes Schlusswort, schönes Fazit von dir, wenn man sich schon immer wundert, warum irgendwas nicht funktioniert, dann vielleicht doch mal ein bisschen näher auch mit den Zahlen und den Details befassen und nicht nur wundern und nach mehr Budget rufen. Das alleine hilft wahrscheinlich nicht. Matilda, ganz herzlichen Dank, es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende, bis bald mal.

Matilda von Gierke: Danke, ciao.

Hören und lesen Sie mehr zum Thema