Anschreiben in Bewerbungen Anschreiben in Bewerbungen

Personaler

HR-PRAXIS

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Deshalb sollten Sie diesen Artikel lesen:

Sind Sie ein Freund von Bewerbungsanschreiben? Ich nicht. Warum nicht, erfahren Sie in diesem Artikel.

Iris Seithel

Iris Seithel

Weg damit!

Sind Anschreiben für Bewerbungen überflüssig?

Liebe Recruiter, wie lange nehmen Sie sich Zeit um eine Bewerbung zu prüfen um dann zu entscheiden ob der Kandidat etwas taugt oder nicht? 3 Minuten? Wenn Sie viel Zeit haben vielleicht 5 Minuten? Mal ehrlich, länger dauert der erste Screen wohl eher nicht. Nun von der anderen Seite betrachtet: Was denken Sie, wie lange hat der Bewerber für diese Bewerbung benötigt? Ich würde mal schätzen zwischen 1 bis 3 Stunden, je nachdem wie viel Mühe er sich gibt und wie leicht ihm das Schreiben von der Hand geht. Klingt eigentlich erst mal ungerecht - Sie sind in 5 Minuten mit einer Bewerbung fertig, während der Bewerber den halben Samstagvormittag damit verbracht hat.

 

Nicht vergessen: Sie haben ein Interesse am Bewerber

Ich höre schon förmlich die Bemerkungen des einen oder anderen meiner Kollegen zu diesem Thema: „Ist doch normal, dass der Kandidat länger für seine Bewerbung braucht, er will ja auch etwas von mir und meinem Unternehmen, nämlich einen Job. Da kann er sich ruhig mal Zeit nehmen und sich etwas Mühe geben.“ Hier möchte ich jedes Mal am liebsten laut schreien: FALSCH!! Sicherlich will der Kandidat bei Ihnen arbeiten, sonst würde er sich nicht bewerben, aber wollen Sie nicht noch viel mehr Ihre freie Stelle mit einem geeigneten Kandidaten besetzen? Also ich würde behaupten, genau in dem Maße wie der Kandidat etwas von Ihnen möchte, haben Sie auch ein Interesse an seiner Bewerbung.

 

Das Anschreiben - der größte Zeitfresser

Damit wäre das beidseitige Interesse also geklärt. Bleibt noch das Thema der aufwendigen und zeitraubenden Bewerbung. Dass eine Bewerbung nicht in 5 Minuten fertig gestellt werden kann, ist klar. Doch was sind denn nun die zeitaufwendigen Elemente einer Bewerbung? Ich glaub hier sind wir uns alle einig: Es ist das Anschreiben. Diese eine Seite, die von einem Kandidaten abverlangt seine Motivation und sein Können darzulegen und zwar in einer strukturierten Form, mit einem gewissen Maß an Kreativität und sprachlichem Können, natürlich ohne jegliche Rechtschreibfehler und mit einer gewissen persönlichen Note. Und dann natürlich noch vollkommen individuell und so, dass man schon beim ersten Satz völlig beeindruckt ist. Soweit die Theorie aus einschlägigen Bewerbungsratgebern und von diversen Internetseiten zu diesem Thema. Jetzt zurück zur Realität. Wie viele solcher perfekten, Sie völlig aus den Socken hauenden Anschreiben haben Sie in Ihrem Berufsleben im Recruiting bekommen? Ich denke, das kann man an einer Hand abzählen. Und dass, obwohl sich Millionen von Bewerbern abmühen um wenigstens ein annähernd ansprechendes Anschreiben hinzubekommen. Gut, ich hatte auch die Fälle, da sah das Anschreiben folgendermaßen aus: „Ich möchte bei Ihnen Arbeiten, ich bin gut, bitte stellen Sie mich ein. Freundlichst…“

 

Aber von diesen Fällen möchte ich nicht sprechen. Sondern eben von denen, die sich wirklich bemühen, aber trotzdem nicht die Anforderungen eines tollen Anschreibens erfüllen, weil Sie Ingenieur oder IT-ler sind und sich eben lieber mit Zahlen als mit Buchstaben beschäftigen. Oder weil sie Buchhalter sind und es für Sie schon kreativ ist, die Spalten der Exceltabelle mal anders farbig darzustellen. Das ist auch völlig in Ordnung, weil es für ihren Beruf nicht benötigt wird. (Was natürlich nicht heißt, dass es nicht auch äußerst kreative Buchhalter gibt.)

 

Anschreiben in Bewerbungen

 

Der (Un-)Sinn eines Anschreibens

Aber warum wird ein solches Anschreiben dann überhaupt noch verlangt? Und was bringt es den Personalern, wenn Sie diese Anschreiben zu lesen bekommen? Was lässt sich daraus wirklich ableiten? Definitiv weniger als so mancher eventuell hinein interpretieren möchte. Harte Fakten wie der Gehaltswunsch oder die Kündigungsfrist werden heutzutage in jedem Bewerbermanagementtool abgefragt und deutlich übersichtlicher dargestellt als in den einzelnen Anschreiben. Auch wie ein Kandidat auf mich aufmerksam geworden ist („mit großem Interesse habe ich von Ihrer Stelle auf Ihrer Karriereseite gelesen“) interessiert mich ehrlich gesagt nicht und wenn mich meine Bewerberquellen doch interessieren, kann ich sie aus einem Anschreiben heraus sowieso nicht auswerten. Den beruflichen Werdegang kann ich mir deutlich strukturierter im jeweiligen Lebenslauf ansehen. Und was die Motivation betrifft: Von unzähligen Kandidaten dieselben abgedroschenen Phrasen zu meinem Unternehmen zu hören, á la „die interessante und herausfordernde Tätigkeit in Ihrem innovativen und attraktiven Unternehmen“, darauf könnte ich durchaus verzichten. Mal abgesehen davon, dass man diesen Satz an so ziemlich jedes Unternehmen in Deutschland schicken könnte.

 

Also fassen wir das Thema Anschreiben kurz zusammen: Dem Personaler hilft es bei der Besetzung seiner Stelle nicht wirklich und den Bewerber kostet es unglaublich viel Mühe und Zeit. Und gerade Zeit ist ein Faktor, den Bewerber heute eher geringfügig bereitstellen können und wollen. Da kann es sicherlich passieren, dass ein (passiver) Kandidat eine Stelle sieht, diese zwar generell interessant findet, von einer Bewerbung aber absieht, da es ihn zu viel Zeit kostet ein Anschreiben für die spezifische Stelle zu verfassen (wenn Ihnen jetzt der Gedanke kommt, naja ein bisschen Motivation sollte ja schon sein seitens des Bewerbers, scrollen Sie bitte zu Absatz zwei zurück). Daher appelliere ich an alle Personalverantwortlichen da draußen: Schafft die Anschreiben in der Bewerbung ab. Es ist nicht mehr zeitgemäß. 

Checkliste Recruiting

Übrigens: Mit SAP SuccessFactors Recruiting können Sie noch wesentlich mehr Zeit sparen als nur beim Nicht-mehr-Lesen von Anschreiben.