Mann mit Anzug auf Skateboard

Umweltbewusste Unternehmen punkten bei Mitarbeitern

Nachhaltigkeit und Arbeitgeberattraktivität

Wer nachhaltig wirtschaftet, ist erfolgreicher – auch beim Recruiting. Wichtig ist eine unternehmensweit einheitliche und glaubwürdige Strategie.

Es war die Sensation im Mai: Das Bundesverfassungsgericht hatte entschieden, dass Deutschland sein Klimaschutzgesetz nachbessern muss. Die alten Ziele seien unzureichend und benötigten eine Reform, so das Gericht. Die Bundesregierung plant nun, die Klimaneutralität bereits 2045 zu erreichen. Zudem sollen bis 2030 weniger Treibhausgase ausgestoßen werden als ursprünglich vorgesehen. Über geeignete Maßnahmen wird noch diskutiert.

Um auch den folgenden Generationen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen, müssen drastische Maßnahmen ergriffen werden. Das gilt für den privaten Bereich genauso wie für das Business. Dem Carbon Majors Report zufolge sind allein 100 Unternehmen für mehr als 70 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Die Mehrheit dieser Unternehmen ist im Öl- und Gas-Geschäft tätig. Für sie sind fossile Energieträger noch immer lukrativer als Offshore-Windparks oder Ladestationen für E-Autos.

Dem Carbon Majors Report zufolge sind allein 100 Unternehmen für mehr als 70 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.

Ökonomie und Ökologie: Wer nachhaltig wirtschaftet, ist erfolgreicher

Auch in anderen Branchen sind nicht wenige Unternehmen nach wie vor davon überzeugt, dass der Umstieg auf ein „echtes“ grünes Geschäftsmodell zu finanziellen Einbußen führt. Daher machen sie lieber so weiter wie bisher – auf Kosten der Umwelt. Laut der Capgemini-Studie „Konsumgüter und Einzelhandel“ geben die befragten Unternehmen in Deutschland lediglich 1,9 Prozent ihrer Einnahmen für Nachhaltigkeitsinitiativen aus. Viele nennen Auswirkungen auf die Gewinnspanne oder Kostenüberschreitungen als Grund dafür, nicht mehr Geld in Nachhaltigkeit zu investieren. Und das, obwohl die Mehrheit über entsprechende Strategiepapiere, Infrastruktur und Ressourcen verfügt, um solche Initiativen voranzutreiben.

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Nachhaltigkeit wird auch in Bezug auf das Employer Branding immer mehr zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Gerade junge Menschen achten darauf, wie grün ihr (potenzieller) Arbeitgeber ist. Wer zu Hause ressourcenschonend lebt und am Wochenende wegen des Klimawandels demonstriert, erwartet auch am Arbeitsplatz eine positive Umweltbilanz. Für Nachwuchskräfte ist diese bei der Wahl des Arbeitgebers meist wichtiger als ein möglichst hohes Gehalt, Arbeitsplatzsicherheit oder ein internationales Arbeitsumfeld.

Eine entscheidende Rolle beim Thema Nachhaltigkeit spielt die HR-Abteilung. Sie kann sich nicht nur als initiierende bzw. ausführende Kraft positionieren, sondern zum Partner für strategische Unternehmensfragen werden.

Personalverantwortliche kennen die Bedürfnisse und Sorgen der Mitarbeiter und können die Geschäftsführung bei der Gestaltung einer unternehmensweiten Nachhaltigkeitsstrategie unterstützen. Einmal ausgearbeitet, können Personaler entsprechende Nachhaltigkeitsinitiativen, soziale Projekte und Weiterbildungsmaßnahmen umsetzen. Auch Beurteilungs- und Anreizsysteme können ein Faktor sein:

  • erstens: um Bewusstsein zu schaffen, Akzeptanz zu fördern und Mitarbeiter aktiv einzubinden.
  • zweitens: um die neuen Werte in der Unternehmenskultur zu verankern. Bewerber und Mitarbeiter merken schnell, ob Nachhaltigkeit nur ein Lippenbekenntnis ist („Green Washing“) oder tatsächlich, selbst unter Markt- und Kostendruck, gelebt wird. Die größten Erfolgschancen bestehen, wenn Nachhaltigkeit fester Bestandteil im Arbeitsalltag ist.

Zudem kann die HR-Abteilung selbst als Vorbild fungieren, Stichwort „Green HR“: Nachhaltiges und sozial verantwortliches Personalmanagement bedeutet, besondere Denk- und Handlungsansätze bei der Gewinnung, Entwicklung, Erhaltung und Freistellung von Mitarbeitern zu verfolgen. Diese sollten langfristig den individuellen, organisatorischen und gesellschaftlichen Bedürfnissen aller Beteiligten entsprechen. Und über die rechtlichen Regelungen (z. B. das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz) hinausgehen. Das betrifft etwa Maßnahmen in den Bereichen

  • Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz
  • Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • faire Bezahlung und Qualifizierungsmöglichkeiten
  • Förderung von Vielfalt und Chancengleichheit
  • wertebasierte Führung auf Augenhöhe
  • ... und vieles mehr.
Solche Maßnahmen sollten sich an den Unternehmenszielen orientieren, Teil der Unternehmensstrategie sein, für alle verbindlich in einem Verhaltenskodex abgebildet und ebenfalls in der Unternehmenskultur verankert werden.

Nachhaltigkeit, eine Frage der Definition

Wo Nachhaltigkeit anfängt und wo sie aufhört, ist allerdings nicht genau definiert und kann sehr weit gefasst werden. Reicht es aus, papierlos zu arbeiten? Soll der Betrieb für jeden neuen Mitarbeiter einen Baum pflanzen? Oder muss Nachhaltigkeit zum obersten Unternehmensziel erklärt und das gesamte Tun danach ausgerichtet werden? Das betrifft dann beispielsweise eine klimaneutrale und faire Herstellung und Logistik, plastikfreie und recycelbare Produktverpackungen oder die Zusammenarbeit mit umweltbewussten Partnern.

Um Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig zu binden, sollten Unternehmen nicht nur den gesetzlichen und politischen Anforderungen zum Klimaschutz nachkommen oder dem öffentlichen Handlungsdruck folgen, sondern freiwillig Eigeninitiative zeigen und Verantwortung übernehmen. Denn: Die Vorgaben der Politik sind häufig nicht mutig genug.

Manchmal muss es erst einmal weh tun, damit Veränderung entsteht. Und weh tut es meistens, wenn alle Beteiligten ihre klimaschädlichen Aktivitäten nicht nur kompensieren, sondern wesentlich reduzieren oder gar ganz auf sie verzichten. Im Arbeitsalltag bedeutet das zum Beispiel: den Firmenwagen gegen ein Fahrrad zu tauschen, nur noch Fairtrade-Kaffee und Leitungswasser zu trinken, in der Kantine weniger Fleischgerichte anzubieten oder das Meeting statt vor Ort lieber digital abzuhalten.

Auch im Bereich Büroausstattung und IT gibt es viel Potenzial. Dabei hilft es, den aktuellen Energieverbrauch zu kennen. Strom, Heizung und Klimatisierung machen erfahrungsgemäß 75 Prozent des Verbrauchs eines Geschäftsgebäudes aus. Ökostrom aus erneuerbaren Energien ist die grünere Alternative. Nachhaltig ist auch, recycelte Büromaterialien zu nutzen, die Post klimaneutral zu versenden, auf pflanzliche Hygieneartikel umzusteigen und Secondhand-Büromöbel anzuschaffen.

Eine Orientierung können die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bieten, welche der nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene dienen sollen. Sie wurden von verschiedenen Akteuren in wissenschaftliche Modelle (u. a. Drei-Säulen-Modell, Nachhaltigkeitsdreieck, Integratives Nachhaltigkeitsmodell) übertragen. Darüber hinaus gibt es anerkannte Standards, Normen und Systeme für Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility wie das Eco-Management and Audit Scheme (EMAS), die ISO 14001, die Global Reporting Initiative (GRI) und den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK), welche eine Leitlinie bieten. Für große kapitalmarktorientierte bzw. börsennotierte Unternehmen, Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute sowie Versicherungsunternehmen sind Auskünfte zur sogenannten CSR-Richtlinie ohnehin verpflichtend.

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